Wer kommt zum Ball 2001?

Der Ball der Bälle soll deshalb heuer mit Polit-Prominenz punkten. Der Society-Event des Jahres leidet heuer unter Starmangel. Wird’s dennoch ein TV-Fest?
Alles Walzer! Die 180 Debütantenpaare des 50. Wiener Opernballs werden sich am Abend des 22. Februar nach Carl Michael Ziehrers Fächerpolonaise in bewährter Manier im Linkswalzer wiegen, den heimischen Ball-Event Nummer 1 mit gewohntem Pomp eröffnen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollten Ballgäste und TV-Zuschauer – ORF 2 überträgt live ab 21.50 Uhr – versöhnt und so manche Irritation im Vorfeld des Balles vergessen sein.
Hatte doch das Organisatorenpaar – Ball-Chefin Elisabeth Gürtler und Staatsopern-Direktor Ioan Holender – im zweiten Jahr ihrer Ballregentschaft durch ungewohnte Schrittkombinationen auf sich aufmerksam gemacht. Gegen die strengen Regeln von Benimmpapst Thomas Schäfer-Elmayer tanzten Gürtler und Holender erst einen Schritt vor, dann zwei zurück.
Ein Gutteil der im Vorjahr groß angekündigten Reformen bei Österreichs wichtigstem Gesellschaftsereignis wurde nämlich stillschweigend zurückgenommen. Die Ballrevolution – zurück zum „Ball der Künstler“ – ist vorerst wieder abgeblasen.
Dazu kommt: Gürtlers Botschaft im Vorjahreszwist mit Ball-Faktotum Richard Lugner war klar und deutlich auch über die Grenzen Österreichs zu hören: Gäste à la Verona Feldbusch – so Gürtler – seien am Opernball unerwünscht. Kurzzeitig drohte die erste Balldame gar mit dem Entzug der Lugner’schen Loge, die im Vorjahr von Frankreichs Filmstar Jacqueline Bisset und Ex-peep!-Moderatorin Nadja „Naddel“ Abdel Farrag geschmückt wurde.
Die Konsequenz aus organisatorischer Verwirrungstaktik und Gürtler’schem Naserümpfen über die neureiche Gästeschar: Trotz längst ausverkauften Balls – 4.500 Karten von öS 2.900 fürs Parkett und öS 200.000 für die Loge – ist die Liste prominenter Abwesender heuer länger als jene von bekannten anwesenden Gästen. Beliebig gewählte Beispiele aus der Liste derer, die sich entschuldigt haben.
l Filmproduzent und Stammgast Carl Spiehs samt Promigästen Ottfried Fischer (TV-Bulle) und Regiefreund Otto Retzer.
l Serienstar Gedeon Burkhard – sonst leidenschaftlicher Nachtschwärmer – muss sich vom US-Urlaub erholen.
l Die RTL-Macher Gerhard Zeiler (beruflich verhindert) und Hans Mahr – Gefährtin Katja Burkard ist im vierten Monat schwanger – verzichten ebenfalls auf den Top-Event.
l Deutlichstes Zeichen der Promiflaute:Wiens Society-Paar Nr. 1, Helmut Zilk und Dagmar Koller, bleibt erstmals seit 20 Jahren fern. Das bittere Resümee für die Veranstalter: Die glitzernde Welt des internationalen Entertainments kehrt dem Opernball den Rücken, überlässt das Parkett der vergleichsweise farblosen Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur.
Einzige Ausnahme auch dieses Jahr: Baumeister Richard Lugners teuer eingekaufter Stargast Farrah Fawcett – einer der Ex-Engel-für-Charly. „Mörtels“ Millioneninvestment scheint die letzte Rettung für den Ball zu sein …
Und das erwartet die mehr oder minder illustre Gästeschar am Opernball 2001:
l Die thematische Ausrichtung des Balls – an jenem Land, das gerade den EU-Vorsitz führt – wurde von Ballchefin Gürtler ersatzlos gestrichen. Die Bezeichnung „Wiener Opernball“ sei als Motto gut genug. Hintergrund: Im Vorjahr hatte Jorge Sampaio, Präsident des EU-Vorsitzlandes Portugal, der Ballchefin aus Sanktionsgründen abgesagt.
Der Blumenschmuck für den schönsten Ballsaal der Welt kommt heuer folgerichtig von heimischen Gärtnern (70.000 Rosen, weiß, rot und champagnerfarben), die Verpflegung ist österreichisch – Sachertorte und Weine aus dem Burgenland.
l Die im 2. Souterrain der Oper dröhnenden Disco-Beats waren Gürtler noch im Vorjahr zu profan, am „neuen“ Opernball schlicht unerwünscht. Auch das ist längst Ballgeschichte. „Auf vielfachen Wunsch“, so Gürtler zu TV-MEDIA, biete man „heuer wieder eine Tanzmöglichkeit für junge Menschen an“.
Was von der Ballreform übrig blieb: der Einzug der Künstler, von denen zwar Dutzende eingeladen, aber erst wenige – unter ihnen Marcel Prawy und Fritz Muliar – zugesagt haben. Fix: Gürtler-Gefährte Helmuth Lohner kommt nicht.
ORF-Fest für 1,6 Millionen Seher. Dem TV-Publikum wird am kommenden Donnerstagabend trotz aller Widernisse die gewohnte Top-Show geboten. Im Vorjahr waren rund 1,6 Millionen Zuseher vor dem Schirm, machten die Ballübertragung zu einem der
Top-10-Quotenhits des TV-Jahres
Erstmals zeichnet heuer auch das japanische TV den Ball in voller Länge auf. Dazu übertragen der Bayerische Rundfunk und zwei weitere Programme der deutschen ARD. Der österreichische Privatsender ATV bleibt – nach kurzem Hickhack zwischen ORF und ATV – nicht ausgesperrt. Österreichs größter privater Radiosender, die Antenne Steiermark, dagegen schon. Hintergrund: Mit dem Antenne-Miteigentümer Styria-Verlag trägt der ORF derzeit einen Gerichtsstreit aus.
Lesen Sie mehr über das österreichische Society-Event des Jahres 2001 in der aktuellen Ausgabe von TV-MEDIA.

