Sonntag, 18. Februar 2001

Außenminister Dini unter Druck

Die Staatsanwaltschaft Turin hat Ermittlungen wegen mutmaßlicher Schmiergeldzahlungen der Telecom Italia an den früheren jugoslawischen Staatschefs Slobodan Milosevic eingeleitet.

Die Untersuchung wurde auf Grund eines Berichts der römischen Tageszeitung "La Repubblica" aufgenommen, wonach Stet International, eine Tochter der Telecom Italia, umgerechnet 6,28 Milliarden Schilling für den Erwerb von Telekom Serbia bezahlt haben soll. Drei Prozent der gezahlten Summe sollen als Schmiergelder an Milosevic geflossen sein.

Die Staatsanwälte ermitteln gegen Telecom Italia wegen mutmaßlicher Bilanzfälschung. Die Ermittler werden in den nächsten Tagen die Bilanzbücher des Ex-Monopolisten im Telefonbereich untersuchen und überprüfen, ob tatsächlich eine überhöhte Summe zur Schaffung von Schmiergeldern für Milosevic gezahlt worden sei. Die Schmiergelder sollen nach Angaben der römischen Tageszeitung auf ein Bankkonto des Geldhauses Paribas in Frankfurt und auf einem der Barclays Bank in London geflossen sein.

Außenminister Dini unter Druck

Wegen der mutmaßlichen Schmiergeldaffäre ist auch Außenminister Dini unter Druck geraten. "Ich habe mich nie an den Verhandlungen der Telecom Italia mit Belgrad beteiligt, wie der damalige Geschäftsführer der Telekom-Gruppe öfters bestätigt hat. Trotzdem bin ich gern bereit, dem römischen Parlament über den Fall zu berichten. Ich bestreite Medienberichten, denen zufolge die Regierung oder das Außenministerium den Abschluss der Verhandlungen mit Belgrad gefördert und begünstigt hätte", sagte Dini.

"Im Jahr 1997 war Jugoslawien von einem politischen Regime geführt, das vielleicht autoritär, aber doch dank freien Wahlen gewählt worden war. Alle wichtigsten internationalen Organisationen verhandelten mit Milosevic. Es ist nicht überraschend, dass Telecom damals mit Belgrad die Übernahme der serbischen Telekom verhandelt hatte", sagte der italienische Außenminister. Anderer Ansicht ist der Konsumentenschutzverband Codacons, der von der Telecom Italia die Rückzahlung der Schmiergelder verlangt, die an Serbien gezahlt worden seien.

18.2.2001 19:15