Sonntag, 18. Februar 2001

Wie Politiker zu Millionen-Abfertigungen kommen

Die Aufregung um die Pensionsmillionen von Altkanzler Viktor Klima belegt: In den Führungsetagen österreichischer Unternehmen wechseln heuer jede Menge Spitzenmanager mit üppig dotierten Pensionsverträgen in den Ruhestand.

OMV-Generaldirektor Richard Schenz und der frühere OMV-Finanzvorstand Viktor Klima kennen und schätzen einander seit einer Ewigkeit. Als sich der sozialdemokratische Ex-Kanzler nach seinem Rückzug aus der Politik im Sommer des vergangenen Jahres nach einem neuen Job umsah, stieß er bei seinem Freund Schenz auf viel Verständnis. Klima über seinen kostspieligen Umstieg ins Privatleben: "Ich habe mir gesagt: Ich lasse mir den Pensionsanspruch, wie es in der OMV üblich ist, in bar auszahlen. Das haben die meisten so gemacht."

Bevor der Altkanzler Anfang August seinen mit sieben Millionen Schilling dotierten Job als Chef der Argentinien-Tochter der Volkswagen AG antrat, streifte Klima inklusive einer Abfertigung rund 14 Millionen Schilling ein. Während sich die Millionenzahlung an den Politpensionisten als innenpolitischer Sprengstoff erweist, war Klima, der 23 Jahre lang im staatlichen Mineralölkonzern tätig war, bis heute nicht einmal Tagesordnungspunkt im OMV-Aufsichtsrat. Denn generöse Abfertigungen und Pensionsverträge haben in der Führungsetage der OMV Tradition.

Demnächst davon profitieren wird auch der 60jährige Generaldirektor Richard Schenz. Wenn sein Vorstandsvertrag zum Jahreswechsel ausläuft, darf sich Schenz (aktuelle Jahresgage: 7,4 Millionen Schilling), der mehr als dreißig Jahre lang im Unternehmen tätig war, seine Pensionsansprüche bar auszahlen lassen – "wie es in der OMV üblich ist" (Viktor Klima). Wenn er es wünscht, wird Schenz dann um zumindest vierzig Millionen Schilling reicher sein.

Die Dinoverträge
Der OMV-General profitiert von einem Vertragsmodell, das in den Vorstandsetagen heimischer Großunternehmen mittlerweile immer seltener wird: Während Spitzenmanager neuerdings nur noch vierzig Prozent ihrer Gage in die Pension mitnehmen dürfen, immer häufiger selbst für den Ruhestand vorsorgen und dafür mit höheren Aktivbezügen belohnt werden, dürfen sich jede Menge abtretender Top-Manager noch über Pensionsverträge alten Zuschnitts freuen.

Auch Streicher streicht Millionen ein
Viktor Klima beweist: Das Verständnis der Öffentlichkeit für solche Dinoverträge ist besonders gering, wenn die üppigen Pensionen von staatsnahen Unternehmen und somit zum Teil und indirekt aus Steuergeldern bezahlt werden. Dies war auch der Grund, warum die neue Regierung den Chef der Staatsholding ÖIAG, Rudolf Streicher (SPÖ), erst einmal im Amt beließ. Streicher und sein Finanzvorstand Johannes Ditz (ÖVP) hatten noch in den letzten Tagen der großen Koalition nagelneue Fünfjahresverträge erhalten. Die FPÖ scheute davor zurück, Streicher zu feuern und zwanzig Millionen für die Ablöse des laufenden Vertrages hinzublättern. Ein Jahr später musste Streicher über die Klinge springen. Versüßt wurde ihm der Abgang mit fünfzehn Millionen Schilling.

Weitere Millionen durfte Streicher zwei Jahre zuvor kassieren: Die Magna-Gruppe des Austro-Kanadiers Frank Stronach hatte den Steyr-Konzern übernommen und verabschiedete Streicher mit einem Golden Handshake: Seine vertraglich zugesicherten Pensionsansprüche ließ sich Streicher mit schätzungsweise fünfzig Millionen Schilling abgelten.

Wenige Wochen bevor Rudolf Streicher den Hut nahm, erlebte er als Aufsichtsratschef von AUA und Lauda-air den Abgang seines Wunschkandidaten als AUA-Chef, des langjährigen Tyrolean-Bosses Fritz Feitl: Nachdem er im AUA-Aufsichtsrat durchgefallen war, warf der 61jährige Fritz Feitl genervt das Handtuch. Entschädigt wurde er beim verhinderten Karrieresprung durch einen wohldotierten Pensionsvertrag klassischen Zuschnitts. Feitl standen laut versicherungsmathematischen Berechnungen Ruhensbezüge in der Höhe von insgesamt 64 Millionen Schilling zu.

Den vollständigen Bericht und welche Spitzenmanager noch zu ihren Pensionsmillionen kommen, lesen Sie ihm neuen FORMAT.

18.2.2001 12:57