Wandel vom Kaufhaus zum Einkaufzentrum

Die Entscheidung, 172 Angestellte zur Kündigung anzumelden, hängt mit dem strategischen Vorhaben zusammen, sich "komplett aus dem Handelsgeschäft zurück zu ziehen", wie es am Freitag Nachmittag hieß. Betroffen sind Mitarbeiter aus den Wiener Häusern in der Mariahilferstaße und in Floridsdorf. Sie müssten per Sommer gehen.
"Aber wir hoffen, dass die neuen Mieter die Angestellten weiter beschäftigten, aber garantieren können wir das nicht", meinte ein Unternehmenssprecher.
Gerngross wolle "vom Kaufhaus zum innerstädtischen Einkaufszentrum" werden, in das sich Markenanbieter einmieten. Als Beispiel führt Gerngross-Vorstand Anreiter das neue "Passage City Center" in Linz an, das nach einer Renovierung im September 2000 "auf Basis einer Vollvermietung" neu eröffnet worden war: Mit dem neuen Konzept sei die Zahl der ursprünglich 100 Beschäftigten verdreifacht, der Umsatz verfünffacht worden.
Laut Anreiter will sich das 1996 vom insolventen Konsum übernommene Unternehmen auf die Verwaltung der Immobilien und das Management der Zentren konzentrieren: "So können wir den Kunden in allen Bereichen das kompetenteste und attraktivste Angebot bieten."
Das Steffl-Kaufhaus in der Wiener Kärntner Straße sei "im Prinzip komplett" vermietet, in Innsbruck werde erst umgebaut, dort solle es bis Ende des Jahres noch einen Gerngross-Verkauf geben. Bei drei Standorten in Kärnten (Klagenfurt, Spittal/Drau und Feldkirchen) liefen Verhandlungen mit potenziellen Mietern.
Die Gerngross Kaufhaus AG ist 1996 von einem Konsortium rund um Palmers mit knapp 3 Mrd. S Schulden vom insolventen Konsum übernommen worden. Im Geschäftsjahr 1999/20000 hat das Unternehmen nach Eigenangaben erstmals ein positives EGT erwirtschaftet. Auch im laufenden Geschäftsjahr erwartet man sich schwarze Zahlen. Das gesamte Unternehmen beschäftigt derzeit - Verwaltung inklusive - etwa 300 Mitarbeiter.

