Greenspan-Rede brachte Stimmungsumschwung

Eine etwas optimistischere Einschätzung der Konjunkturaussichten in den USA hat den Euro am Donnerstag zeitweise auf ein Acht-Wochentief unter 0,91 Dollar und ein Sechs-Wochentief von 104,40 Yen fallen lassen.
Händlern zufolge hat sich die Stimmung an den Finanzmärkten nach der Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan vom Dienstag sowie nach Äußerungen von anderen Fed-Vertretern und Forschungsinstituten wieder etwas zu Gunsten des Dollar gedreht. Der Yen profitiere dagegen zurzeit von Gerüchten über umfangreiche Kapitalrückführungen durch japanische Konzerne vor dem Ende des Fiskaljahres am 31. März.
Die erwartete Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen in der Euro-Zone unverändert zu lassen, habe sich auf die Kursentwicklung ebenso wenig ausgewirkt wie die Veröffentlichung neuer US-Konjunkturdaten, hieß es im Handel. Auch die von EU-Präsident Romano Prodi prognostizierte weitere Erholung des Euro, Äußerungen von US-Finanzminister Paul O'Neill zu Devisenmarkt-Interventionen und dem Präsidenten der Federal Reserve Bank von Richmond, Alfred Broaddus, zur US-Konjunktur hätten den Devisenmarkt nur wenig bewegt.
In New York ging der Euro mit 0,9045/50 Dollar aus dem Handel, nachdem die Europäische Zentralbank den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,9090 Dollar ermittelt hatte. Zur japanischen Währung wurde der Euro mit 104,56/75 Yen bewertet. Die US-Valuta kostete 115,52/56 nach 116,05/13 Yen zur Eröffnung in New York.
Stimmungsumschwung durch Greenspan
Zu dem Stimmungsumschwung für den Dollar haben Händlern zufolge in erster Linie die vorsichtig optimistischen Äußerungen von US-Notenbankchef Greenspan beigetragen, der für das zweite Halbjahr 2001 eine Erholung der US-Wirtschaft vorausgesagt hatte. Fed-Vizepräsident Roger Ferguson und andere Fed-Vertreter hatten sich in der Nacht zum Donnerstag trotz einiger Vorbehalte ebenfalls vorsichtig optimistisch zur US-Wirtschaft geäußert und so den Dollar gestützt. Der Chef der Fed von Richmond, Alfred Broaddus, sagte am Nachmittag (MEZ) zudem bei der Handelskammer in Greensboro, in der ersten Jahreshälfte werde das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch langsam steigen, doch bereits in der zweiten Jahreshälfte seien höhere Wachstumsraten zu erwarten.
Auch eine positive Wachstumsprognose des vielbeachteten US-Konjunkturforschungsinstituts Conference Board habe den Dollar gestützt, sagten Händler. Das Institut erwartet, dass sich das Wachstum in den USA im dritten Quartal bereits wieder auf eine Jahresrate von 5,0 Prozent beschleunigen wird.
Auch die im Verlauf des Nachmittags veröffentlichten US-Konjunkturdaten berührten den Devisenmarkt wenig. Das US-Arbeitsministerium hatte berichtet, die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sei in der Woche zum 10. Februar auf 352.000 von 363.000 (revidiert von 361.000) in der Vorwoche gesunken. Die US-Einfuhrpreise seien im Jänner gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent rückläufig gewesen nach einem Minus von 0,8 (revidiert von minus 0,5) Prozent im Vormonat. Verbessert hat sich auch der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia, der im Februar auf minus 30,5 von minus 36,8 im Jänner gestiegen ist.

