Österreich braucht dringend mehr Neugründungen

Rekord für Österreich: In keinem anderen Land der EU braucht man für die Gründung einer Firma so viele Formulare wie bei uns.
Einer Studie der Europäischen Union zufolge werden in Österreich für eine Unternehmensgründung durchschnittlich zwölf Genehmigungen benötigt, in Finnland, Schweden, Irland und Dänemark erfordert der Schritt in die Selbständigkeit dagegen nur vier Genehmigungen und damit auch die niedrigsten Gründungskosten.
Obwohl die Zahl der Unternehmensneugründungen in Österreich seit einigen Jahren im Steigen ist, legt der Geschäftsführer des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV), Klaus Hierzenberger, die Latte bei jährlich mindestens 30.000 Neugründungen, was erst im Jahr 2005 erreicht werden soll. Heuer werden 25.000 Neugründungen erwartet, im Vorjahr waren es 23.742 und 1999 22.000 Firmen.
Im Firmenbuch, wo nur größere Firmen eingetragen werden, sollten heuer 1.120 Firmen neu dazu kommen, nach 897 im Vorjahr. Mehr als die Hälfte der neuen Unternehmen sind in den Bereichen Gewerbe, Handwerk und Dienstleistung entstanden, wo die bei Neugründungen führende Branche der Informationstechnologie angesiedelt ist. Zu untersuchen sei aber noch, wieviele der Neugründungen auf ein "Pseudo-Unternehmertum" entfallen, also neuer Selbständiger, die unfreiwillig aus einem Arbeitnehmerverhältnis ausgeschieden sind. Der KSV wolle beispielsweise der Frage nachgehen, wieviele der Neugründungen auf über 50-Jährige entfallen.
Österreich hat Nachholprozess zu bewältigen
Der Nachholprozess, den Österreich zu bewältigen habe, zeige sich auch an der Selbständigenquote, sagte Hierzenberger im Klub der Wirtschaftspublizisten. Mit einem Anteil von 8,3 Prozent Selbständiger an der Beschäftigtenzahl liege Österreich im EU-Vergleich an vorvorletzter Stelle, nur Frankreich und Dänemark (allerdings auch die USA) haben noch niedrigere Selbständigenquoten. An der Spitze liegen die Südländer der EU, angeführt von Griechenland (28,6 Prozent), Italien und Spanien. Bei der Selbständigenquote sollte Österreich unbedingt den OECD-Durchschnitt von 12 bis 13 Prozent anstreben, meinte Hierzenberger.
Andererseits bezeichnet Hierzenberger die österreichische Insolvenzquote von 1,7 bis 1,8 Prozent als zu hoch. Heuer dürfte erstmals seit einigen Jahren die Zahl der Gesamtinsolvenzen unter 5.000 fallen, nachdem 1999 ein Maximum von 5.860 erreicht worden war. Im Anstieg befinden sich dagegen seit Jahren die Privatkonkurse, die heuer bei rund 3.000 liegen werden sich längerfristig mit den Firmeninsolvenzen die Waage halten werden, erwartet Hierzenberger.

