Mittwoch, 14. Februar 2001

NEWS über den Handy-Krieg

Mehr denn je werden die Handy-Kunden mit Gratishandys & Gratisminuten umworben. Nun droht die Vertreibung aus dem Preis-Paradies, weil die Betreiber endlich Geld sehen wollen.

Die Schlacht der Mobilfunkbetreiber um die Gunst der Kunden treibt immer skurrilere Blüten. Ende Jänner veröffentlichte Connect Austria (One) in mehreren Tageszeitungen Auszüge aus einer Klage der Konkurrenten Mobilkom (A1) und max.mobil., in der diese gegen „Schleuderpreise“ und „planmäßige Unterbietung der Preise der Mitbewerber“ seitens One zu Felde zogen. Die Klage wurde schließlich zurückgezogen.
Scharmützel dieser Art könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Nach Jahren ungehemmten Preisdumpings bei Tarifen und Endgeräten geht den Betreibern schön langsam der finanzielle Atem aus. Ungewohnt deutlich stellen die Mobilfunkbosse daher ein Ende der Subventionen für Endgeräte und selbst Tariferhöhungen in Aussicht. One-Geschäftsführer Jorgen Bang-Jensen: „Langfristig müssen wir alle Geld verdienen.“ Mobil-kom-Boss Boris Nemsic: „Früher mussten wir den Markt entwickeln. Bei dieser Penetration rechnen sich die Subventionen aber nicht mehr.“ max.mobil.-Chef Georg Pölzl: „Die Subventionen werden im Laufe des Jahres zurückgehen.“ Die Frage dürfte lediglich sein, wer nach vorne prescht und den ersten Schritt setzt.

Handy-Mania

Dank der aggressiven Preispolitik der vier Anbieter telefonieren mittlerweile sieben von zehn Österreichern mobil. Damit hat sich Österreich in puncto Handybesitz an die europäische Spitze katapultiert. Und auch jetzt unterbieten sich die Netzbetreiber nach wie vor mit den neuesten Handys im 0-Schilling-Angebot samt Gesprächsguthaben. Schließlich gilt es, sich jeden Kunden zu sichern. Trotz der bemerkenswerten Umsätze dürften alle österreichischen Mobilfunkbetreiber außer der Mobilkom nach wie vor rote Zahlen schreiben. In Summe dürfte sich das Minus von max.mobil., One und tele.ring im letzten Jahr auf sechs bis sieben Milliarden Schilling belaufen haben.
Verlustbringer. Auf den zweiten Blick sind die roten Bilanzzahlen leicht zu erklären:

l Jeder Neukunde wird mit durchschnittlich 2.000 bis 3.000 Schilling subventioniert: Die oft bis zu 10.000 Schilling teuren Handys werden um wenige Hunderter verschleudert, und häufig werden auch noch Gesprächsguthaben oder Internet-Minuten dazugeschenkt. One-Chef Jorgen Bang-Jensen war sich des Problems immer bewusst: „Unsere Strategie war, den Kunden niedrige Tarife zu bieten, aber ohne Handys zu verschenken. Wir haben aber gelernt, dass es in Österreich nicht ohne geht.“
l Die Gespräche im eigenen Mobilfunknetz werden häufig zu einem besonders niedrigen Preis (zwischen null und einem Schilling) angeboten. Bei den Errichtungs- und Servicekosten, die in der Netzinfrastruktur stecken, kann dies jedoch kaum kostendeckend sein.
Harte Zukunftsszenarien. Dabei stehen die nächsten finanziellen Hürden bereits ins Haus:
l Durch die hohe Versorgungsrate rechnen die einzelnen Betreiber für heuer nur mehr mit Zugewinnen von 250.000 Kunden. Und diese gehören wohl eher den
finanzschwächeren Bevölkerungsschichten an.
l Der Anteil der Einnahmen aus Gesprächsgebühren ist seit Jahren rückgängig. Dies soll zwar in Zukunft durch steigende Daten-Versendung und vor allem Mobile Commerce mehr als kompensiert werden. Doch noch fehlt es großteils am entsprechenden Angebot, vor allem aber am dafür notwendigen hohen Kundeninteresse.
l Ende April werden Pakete
aus dem Bereich des 1800er-Frequenzblocks versteigert. Vor allem für Mobilkom und max.mobil., die seit Jahren über Versorgungsengpässe klagen, ist der Erwerb weiterer Frequenzen ein Muss. Bei einem Ausrufungspreis zwischen 60 und 400 Millionen Schilling – je nach Größe – kann mit erheblichen Ausgaben kalkuliert werden.

Umsatzbringer

Inzwischen wird jedoch bei den heimischen Mobilfunkern emsig an der Realisierung bzw. Verbesserung der UMTS-Vorstufe GPRS gearbeitet. Boris Nemsic, Chef des Marktführers Mobilkom, hat sein Angebot bereits seit August am Markt: „Wir können weltweit das erste flächendeckende Netz anbieten, und bis Ende dieses Jahres streben wir 50.000 User an.“ Auch tele.ring hat sein Netz bereits in Betrieb. One und max. wollen noch bis spätestens März bzw. April ihre jeweiligen Angebote an die Kunden bringen. Schließlich sollen diese rechtzeitig vor dem Start der revolutionären UMTS-Dienste süchtig nach der neuen Welt des mobilen Internets werden.

Lesen Sie mehr über den "Handy-Krieg" in der aktuellen Ausgabe von NEWS.

14.2.2001 12:36