Mittwoch, 14. Februar 2001

NEWS: Die Luft-Attacke

ÖIAG-Mastermind Heinzel will mit allen Mitteln die AUA-Vorstände demontieren: Doch jetzt holen AUA-Vorstände Bammer und Rehulka zum finalen Gegenschlag aus.

Die Herren Aufsichtsräte finden ungewohnt klare Worte. Der Kärntner Unternehmer Helmut Mayr etwa spricht von
„unnötiger Einmischung der Politik“, „unverschämten Aussagen des ÖIAG-Aufsichtsrates“ sowie „ahnungsloser Herumrederei von Dilettanten und Amateuren, die das Luftfahrtgeschäft nicht verstehen“. ÖFB-Präsident Beppo Mauhart wiederum formuliert in einem fünfseitigen Brief an ÖIAG-Vorstand Johannes Ditz: „Diese öffentliche Diskussion hat wesentlich dazu beigetragen, die gesamte Belegschaft zu verunsichern und der AUA die allergrößten Schwierigkeiten zu bereiten“.

Finaler Crash

Gefruchtet hat die Kritik der AUA-Aufsichtsräte freilich nichts. Nachdem Ditz die zwölf Kapitalvertreter im Kontrollgremium Ende Jänner schriftlich aufgefordert hatte, ihre Funktion binnen zwei Werktagen „zurückzulegen“, steuern die Herren der heimischen Luftfahrt endgültig auf den finalen Crash zu. Das vom FP-nahen ÖIAG-Aufsichtsratspräsidenten Alfred Heinzel erst vergangene Woche im kleinen Kreis erneut vorgegebene Ziel: „Die Beamtentypen Bammer und Rehulka müssen endlich weg. An der Spitze der AUA braucht es jetzt Unternehmertypen.“ Der kleine Schönheitsfehler: Die ÖIAG hält an der AUA keineswegs die Mehrheit, sondern nur 39,7 Prozent.

Als Voraussetzung für das Gelingen von Heinzels Plan haben außer Mauhart tatsächlich alle Adressaten die von Ditz fürsorglich beigelegte „Rücktrittserklärung“ unterzeichnet – darunter Kapazunder wie BA-General Gerhard Randa, RZB-Chef Walter Rothensteiner oder Bawag-Boss Helmut Elsner.
Unmittelbar darauf wies Ditz den AUA-Vorstand an, für die zweite Märzwoche eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. „Die Herren sind schon dabei, ein geeignetes Lokal zu finden“, so Ditz.
Bei der Hauptversammlung wird der AUA-Aufsichtsrat von zwölf auf zehn Kapitalvertreter verkleinert und personell komplett umgekrempelt. Bleiben werden lediglich Randa, Rothensteiner, Elsner und Ditz. Die restlichen sechs Personen – laut offizieller Sprachregelung „parteipolitisch unabhängige Fachleute“ – werden via Headhunter gesucht. Unter anderem auf der Wunschliste von ÖIAG-Mastermind Heinzel: Berndorf-Chef Norbert Zimmermann und OMV-Vorstand Gerhard Roiss. Bemerkenswert: Die Swissair, immerhin mit zehn Prozent an der AUA beteiligt und derzeit im Kontrollgremium vertreten, „erhebt keinen Anspruch auf ein Mandat“.
Im finalen Akt soll der neue Aufsichtsrat schließlich den AUA-Chefs Herbert Bammer und Mario Rehulka das Misstrauen aussprechen und eine neue Führungsspitze installieren.

Unsichere Mehrheiten

Ob die geheime Regieanweisung von Heinzel – er wollte zu der Angelegenheit nicht Stellung nehmen – funktioniert, ist indes noch unklar. Denn für die Absetzung eines Vorstandes braucht es laut Aktiengesetz im Aufsichtsrat eine einfache Mehrheit. Diese ist angesichts von künftig zehn Kapital- und fünf Belegschaftsvertretern allerdings höchst unsicher. Ein AUA-Aufsichtsrat: „Das schafft die ÖIAG nur, wenn sie die fehlenden sechs Mandate ausschließlich mit Marionetten besetzt.“

Lesen Sie mehr über den "panischen Akt der ÖIAG" in der aktuellen Ausgabe von NEWS.

14.2.2001 17:59