Donnerstag, 15. Februar 2001

Kirch und EM.TV übernehmen die Kontrolle

Kirch und EM.TV übernehmen gemeinsam die Kontrolle über die Formel Eins. Wie beide Unternehmen am Donnerstag in München mitteilten, ist der Einstieg der Kirch-Gruppe bei dem hoch verschuldeten Medienunternehmen EM.TV jetzt unterschriftsreif.

Die Börse reagierte positiv, die gebeutelte EM.TV-Aktie legte deutlich zu. Die beiden Partner vereinbarten, ihren Anteil am Rennsport-Zirkus noch im Februar auf 75 Prozent zu erhöhen. Dem bisherigen Formel-Eins-Chef Bernie Ecclestone bleiben damit nur noch 25 Prozent.

Ecclestone und EM.TV gehört derzeit jeweils die Hälfte der Formel Eins. Eine Option zwingt Ecclestone aber, weitere 25 Prozent an EM.TV zu verkaufen. Wie Kirch-Sprecher Hartmut Schulz erklärte, wird sich Kirch die erforderlichen 987 Mill. Dollar (1,1 Mrd. Euro/14,6 Mrd. S) am Finanzmarkt leihen und an Ecclestone auszahlen. Damit kontrolliert die bisherige EM.TV-Tochter Speed 75 Prozent der Formel Eins. EM.TV gibt 49 Prozent von Speed an Kirch weiter und bekommt dafür von Kirch 550 Mill. Dollar.

Ecclestone hatte bis zuletzt verhindern wollen, dass Kirch entscheidenden Einfluss auf Vergabe und Preis der Fernsehrechte am Rennzirkus bekommt. Die Fernsehrechte für Deutschland sind zurzeit noch an RTL und Kirchs Abosender Premiere verkauft. EM.TV und Kirch wollen nach eigenen Angaben mit Ecclestone und mit interessierten Autoherstellern eine dauerhafte Lösung finden, die "alle Beteiligten zufrieden stellt". Möglicherweise könnte Speed Anteile an ein Konsortium der Autoindustrie weiterverkaufen, erklärte Schulz.

Kirch erhält nach dem Vertrag, der bis 15. März unterzeichnet werden soll, 16,74 Prozent der EM.TV-Aktien und eine Sperrminorität von 25,1 Prozent der Stimmrechte. Im Gegenzug überlässt Kirch EM.TV die Junior-Kinderfilmbibliothek komplett. Das bisherige Gemeinschaftsunternehmen Junior ist mit über 10.000 Stunden Kinder- und Familienunterhaltung eines der größten Filmarchive. EM.TV soll sich künftig auf sein Kerngeschäft konzentrieren und seine Struktur reorganisieren.

Die EM.TV-Aktie konnte bis zum Nachmittag ein Plus von gut zehn Prozent verbuchen. Die von Thomas Haffa gegründete EM.TV war lange der Star am Neuen Markt gewesen. Mit spektakulären Einkäufen - darunter der Muppets Show und der Hälfte der Formel Eins - häufte das Unternehmen aber bis Ende 2000 rund 2,2 Mrd. DM (1,1 Mrd. Euro/15,5 Mrd. S) Schulden an, während die Einnahmen weit hinter den Erwartungen zurückblieben.

Nach einer Gewinnwarnung, die die Gewinnerwartung von 600 Mill. DM im Dezember auf 50 Mill. DM korrigierte, stürzte der Aktienkurs um 90 Prozent ab. Schließlich wurde bekannt, dass Vorstandschef Haffa heimlich eine große Menge Aktien verkauft hatte. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen Verdachts auf Betrug und Insiderhandel.

Damit das Kartellamt Kirchs Einstieg bei EM.TV genehmigt, muss EM.TV noch seinen 49-Prozent-Anteil an dem Spielfilm-Handelsunternehmen TeleMünchen verkaufen. Mehrheitseigner Herbert Kloiber ist Kirchs größter Konkurrent auf diesem Gebiet. Der Anteil müsse nicht zwingend zurück an Kloiber verkauft werden, sagte Kirch-Sprecher Schulz.

15.2.2001 17:36