Dienstag, 13. Februar 2001

Dohmen: "Ich kann mir keinen Trainer backen"

Während die Eintracht-Fans den "verhinderten Super-GAU" feiern, muss die Führungsetage des Clubs nach der Absage von Lothar Matthäus von neuem mit der Trainersuche beginnen.

Nach der Absage von Lothar Matthäus beginnt die Trainersuche beim Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt wieder von vorne. "Ich kann mir keinen backen. Gute Trainer wachsen nicht an Bäumen, wo man sie einfach abpflücken kann", erklärte Sportdirektor Rolf Dohmen. Zwar beteuert der Interimscoach, man habe "noch einige Hochkaräter auf der Liste", doch ein Verbleib von Dohmen und Assistent Armin Kraaz auf der Trainerbank bis zum Saisonende wird immer wahrscheinlicher. "Vorerst und auf unbestimmte Zeit", sagt dazu Steven Jedlicki, der Vorstandsvorsitzende der Eintracht Fußball AG. Immerhin holte das Duo in zwei Spielen die optimale Ausbeute von sechs Punkten.
Werbung in eigener Sache


In jedem Fall hat die Eintracht-Spitze mit dem Rückzieher von Matthäus erneut Lehrgeld zahlen müssen, so dass die Kritik an der Führung des Traditionsvereins immer lauter und sicherlich auch auf der Aufsichtsrats-Sitzung am Mittwoch thematisiert werden wird. Nach Ansicht von Kennern der Szene hat der deutsche Rekord-Nationalspieler die Verhandlungen mit den Hessen vor allem zur Werbung in eigener Sache benutzt, um sich wieder ins Gespräch zu bringen und seinen Marktwert zu testen.

"Wir waren nicht blauäugig", verteidigt sich Dohmen. "Es ist normal, dass man sich auf einen Kandidaten konzentriert. Aber wir haben uns schon im Vorfeld nach Alternativen umgesehen." Allerdings wird der Kreis der kompetenten Kandidaten nach den Absagen von Matthäus sowie Klaus Toppmöller und Bayern Münchens Co-Trainer Michael Henke immer kleiner.

Roland Koch, ein weiterer Kandidat


Ein Anwärter könnte Roland Koch sein, als langjähriger Assistent von Christoph Daum bei Bayer Leverkusen ein anerkannter Fachmann und zurzeit ohne Engagement. "Ich habe kein Gespräch mit der Eintracht geführt. Jedenfalls nicht in der Art und Weise, dass man es mitteilen könnte", nimmt Koch jedoch voreiligen Spekulationen den Wind aus den Segeln. Die meisten Kandidaten dürften sich wohl inzwischen zu schade sein für den vakanten Posten, da sie ohnehin nur dritte oder vierte Wahl wären.

Matthäus begründete seinen Verzicht unterdessen auch mit den wenig positiven Äußerungen von Eintracht-Präsident Peter Fischer. "Es ist sicher kein Vorteil, wenn man einen Job beginnt und der Präsident im Vorfeld schon Stimmung dagegen macht", sagte der 39-Jährige der "Bild"-Zeitung. "Ein wichtiger Grund für meine Absage war auch, dass ich kein eigenes Trainer-Team mitnehmen durfte. Zudem wehte von den Fans ein scharfer Wind gegen meine Person."

Jubel unter den Eintracht-Fans

Die Frankfurter Anhänger reagierten erwartungsgemäß hoch erfreut auf die Absage. "Der Mega-GAU ist uns erspart geblieben", erklärte Fansprecher Andreas Hornung in der "Frankfurter Rundschau" und erneuerte seine Angriffe gegen die Fußball AG: "Einige von den hohen Herren haben überhaupt keinen Plan, was sie machen. Wir, die Fans, werden ignoriert, beschnitten und nicht ernst genommen. Eitel und stolz wird vom hohen Ross herunter regiert."

"Bei der Eintracht ist es nie ruhig", beurteilt Mittelfeldspieler Alexander Schur die verzwickte Situation am Riederwald. "Es werden neue Namen aufkommen, die wieder für Tumulte sorgen könnten."

13.2.2001 18:50