Hunderte Flüchtlinge vor Küste von Frankreich

Der französische Präsident Jacques Chirac hat sich am Samstag "zutiefst entrüstet" über den Schiffbruch der mehr als 900 kurdischen Flüchtlinge vor der Mittelmeerküste geäußert.
In einer Stellungnahme nannte Chirac den Schiffbruch "ein in Frankreich bisher einzigartiges Ereignis", das "die völlige Skrupellosigkeit jener zeige, die mit dem Leid anderer Menschen Geschäfte machen". Chirac forderte die internationale Gemeinschaft auf, vorbeugende Maßnahmen gegen Menschenhandel zu treffen und die Verantwortlichen zu bestrafen.
Der Präsident erinnerte daran, dass dieses "Ereignis nur wenige Monate nach dem Drama von Dover und trotz der verstärkten Grenzkontrollen der europäischen Staaten passierte". Im Juni 2000 waren im britischen Hafen Dover 58 Flüchtlinge aus China tot in einem Lastwagen gefunden worden.
Der Präsident wird der Stellungnahme zufolge regelmäßig über die Situation der Flüchtlinge des Frachtschiffes "East Sea" unter kambodschanischen Flagge informiert, das am frühen Samstagmorgen am Strand von Boulouris bei Saint-Rafael, rund 50 Kilometer südwestlich von Nizza, auf eine Sandbank gelaufen war. Nach den Worten Chiracs wurden die Flüchtlinge "unter nicht hinzunehmenden, unwürdigen, gefährlichen und unmenschlichen Bedingungen befördert, die an Praktiken aus einem anderen Zeitalter erinnern". Ihre rechtliche Situation werde rasch überprüft.
Die Behörden in Toulon gaben inzwischen die Zahl der Flüchtlinge mit 908 an, von denen 14 in ein Krankenhaus in der Region gebracht worden seien. Die restlichen 894 Gestrandeten seien in einer Militärkaserne aufgenommen worden. Zuvor war von rund 800 kurdischen Flüchtlingen die Rede gewesen.
