Freitag, 16. Februar 2001

USA und GB griffen Ziele in der Nähe von Bagdad an

Der Irak ist am Freitag von amerikanischen und britischen Kampfflugzeugen angegriffen worden. US-Präsident George W. Bush habe die Angriffe angeordnet, bestätigte das Weiße Haus in Washington. Der Irak meldete mindestens drei verletzte Zivilisten als Opfer der Angriffe.

Aus dem US-Verteidigungsministerium in Washington verlautete, es seien Ziele südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad bombardiert worden. Der Angriff sei zwischen 18.30 Uhr und 19.00 Uhr (MEZ) ausgeführt worden und habe einer irakischen Radar-Station gegolten. Das britische Verteidigungsministerium in London bestätigte die Beteiligung an der Operation.

Das Weiße Haus sprach in einer ersten Erklärung von "routinemäßigen Durchsetzung" der Flugverbotszonen im Irak. Es habe sich um einen "Vergeltungsschlag" nach wiederholten Versuchen des Irak gehandelt, westliche Flugzeuge in der südlichen Flugverbotszone südlich des 33. Breitengrades ins Zielradar zu nehmen, teilte das Pentagon mit. Es seien fünf Ziele außerhalb der Flugverbotszone bombardiert worden. An dem Angriff seien 24 Flugzeuge beteiligt gewesen.

Irak meldet mindestens drei Verletzte

Der Sohn des irakischen Staatschefs Saddam Hussein, Udai, sagte im staatlichen Jugendfernsehen, bei den Angriffen seien mindestens drei Zivilisten verletzt worden. Das irakische Fernsehen hatte zuvor gemeldet, die Hauptstadt werde vom "amerikanischen Aggressor" direkt angegriffen. In Bagdad sei um 18.45 MEZ Luftalarm zu hören gewesen, berichteten Zeugen. In der Stadt seien starke Explosionen zu hören gewesen, während die irakische Luftabwehr in den Abendhimmel feuerte. Das irakische Fernsehen unterbrach sein Progamm und sendete nationale Lieder.

In der Zone gilt für den Irak ein striktes Flugverbot. Dies wird von britischen und amerikanischen Kampfflugzeugen auf regelmäßigen Patrouillen überwacht. Die Zone im Süden und eine entsprechende im Norden des Irak war nach dem Golfkrieg 1991 eingerichtet worden, um die dort lebenden Minderheiten vor Übergriffen der irakischen Armee Präsident Saddam Husseins zu schützen.

Harter Kurs von US-Außenminister Powell

Der neue amerikanische Außenminister Colin Powell hatte nach seinem Amtsantritt angekündigt, einen härteren Kurs als die Vorgängerregierung unter Präsident Bill Clinton gegen Irak einzuschlagen. Das Land weigert sich, UNO-Inspektoren ins Land zu lassen, die die vom Irak zugesagte Vernichtung von Massenvernichtungswaffen überprüfen sollen. Zuletzt hatte es im Streit um die Waffeninspektionen im Dezember 1998 im Rahmen der Operation "Wüstenfuchs" Luftangriffe der USA und Großbritanniens auf den Irak gegeben.

Das letzte Mal, dass in Bagdad die Luftschutzsirenen heulten, war am 24. Februar 1999. Damals griffen US-Flugzeuge Ziele in den Außenbezirken der Stadt an. Es gab dabei mehrere Tote und Verletzte. Der Irak hat die Beachtung des Flugverbots aufgekündigt, nachdem das Land im Dezember 1998 vier Tage lang amerikanischen und britischen Luftangriffen ausgesetzt war.

16.2.2001 21:45