US-Soldaten hoffen auf mehr Geld

Bush hat, kaum ins Weiße Haus eingezogen, eine gründliche Bestandsaufnahme des Militärs angeordnet. Jetzt hoffen vor allem Army-Soldaten auf eine bessere Bezahlung.
US-Feldwebel Enrique Rodriguez beklagt sich nicht. "Mein Einkommen ist gering, doch wir kommen zurecht", sagt er. "Wir hoffen jetzt auf George W. Bush. Es wird besser werden." Der Vater eines kleinen Sohnes muss im Ernstfall sein Leben einsetzen. Doch der Lohn dafür ist gering. Sein Bruttogehalt von 1.650 Dollar (1.815 Euro/24.977 S) im Monat gehört zu den untersten Lohngruppen in den USA. Der junge Amerikaner dient seit sieben Jahren und ist gerade von Korea nach Fort Hood im US-Staat Texas versetzt worden, dem größten Militärstützpunkt auf dem Boden der USA.
Bush hat, kaum ins Weiße Haus eingezogen, eine gründliche Bestandsaufnahme des Militärs angeordnet. Gleichzeitig kündigte er für den Haushalt des nächsten Jahres eine Soforthilfe von 5,7 Milliarden Dollar für die Renovierung der Soldatenwohnungen, für Gehaltserhöhungen und eine bessere Krankenversorgung der Armee-Angehörigen an. Mit Besuchen auf mehreren Militärstützpunkten unterstrich Bush in dieser Woche, wie wichtig ihm die Moral der Truppe ist.
Rodriguez verdient kaum mehr als die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens einer US-Familie, das bei rund 2.900 Dollar im Monat liegt. Anderen Soldaten geht es nicht besser. Barbara Richardsons Ehemann ist Unterfeldwebel in Fort Hood. "Viele unserer Freunde verdienen so wenig, dass sie von der städtischen Sozialhilfe Lebensmittelmarken für die Kinder bekommen", sagt die Mutter. "Wir haben jetzt ein neues Auto, daher haben wir keinen Anspruch mehr auf Marken. Aber ich erhalte weiterhin Babynahrung aus Bundesmitteln."
Seit vielen Jahren ist die Bezahlung in der US-Armee vor allem in den unteren Rängen extrem niedrig. In mageren Zeiten hat das Militär keine Probleme, seine Reihen zu füllen, aber bei einer guten Konjunktur wie in den vergangenen Jahren locken Jobs in der Industrie. "Viele meiner Soldaten haben die Armee verlassen", sagt Feldwebel Jason Bromley. "Vor allem diejenigen mit technischen Kenntnissen oder die Computerspezialisten können in der privaten Wirtschaft heute das Drei- oder Vierfache verdienen." Warum bleibt er selbst noch in der Armee? "Ich komme aus einer Soldatenfamilie", antwortet Bromley ernst. "Meine Vorfahren haben in Kriegen gekämpft. Für mich ist das mehr als nur ein Job."
Auch Feldwebel Gloria Carrazo spricht Kritik nur zögernd aus. "Wir haben unser Auskommen", sagt die Mutter. "Aber die Wohnverhältnisse sind sehr beengt. Meine zwei Kinder leben in einem Zimmer, und wir haben nicht viel Platz." Selbst Bush gegenüber bleibt sie skeptisch. "Wir müssen abwarten, ob Worten auch Taten folgen."
Mehr als 60 Prozent der Soldaten in Fort Hood sind verheiratet. Die meisten Amerikaner heiraten jung. Ein Gefreiter erhält jedoch zu Beginn seiner Karriere nur 1200 Dollar im Monat - zu wenig, um eine kleine Familie zu unterhalten. Mit einer Personalstärke von 42.000 ist Fort Hood der größte Militärstützpunkt in den USA. Familien und Zivilisten mitgerechnet, leben und arbeiten hier 200.000 Menschen, eine Großstadt für sich. Der Stützpunkt ist der Heimatstandort des dritten Armeekorps und der berühmten ersten Kavalleriedivision. Von hier wurden Soldaten in den Golfkrieg und nach Bosnien geschickt.
Bush will ein schlagkräftiges Militär mit guter Moral. Dazu gehören, wie er sagt, zufriedene Soldaten mit menschenwürdigen Gehältern und Wohnungen. Doch mit einer Reform der Armee ist es nicht getan. Die Krise im öffentlichen Dienst betrifft auch Lehrer. Extrem schlechte Bezahlung schreckt qualifizierte junge Leute von diesem Beruf ab, und frustrierte Lehrer verlassen zu Hauf ihre Jobs.
