Sonntag, 18. Februar 2001

SV-KRISE

Hans Sallmutter, Präsident des SV-Hauptverbandes, im FORMAT-Interview - über seine bevorstehende Ablöse und warum ihn die Vorwürfe gegen seine Person kalt lassen.

Format: Den Krankenkassen steht ein Milliardendefizit ins Haus. Sie fordern immer nur höhere Einnahmen. Ist das nicht ein bißchen wenig?
Sallmutter: Ein modernes Gesundheitssystem kostet Geld. Entweder wir stecken mehr Geld hinein, oder wir steuern auf die Mehrklassenmedizin zu.

Format: Die Regierung wirft Ihnen vor, für das Milliardendefizit bei den Krankenkassen verantwortlich zu sein. Haben Sie schlecht gewirtschaftet?
Sallmutter: Jeder Vorwurf an mich ist auch ein Vorwurf an die Regierung selbst. Wir sind gut kontrolliert – vom Rechnungshof und vom Ministerium. Es gibt keine Sitzung des Hauptverbandes, wo nicht auch hochrangige Vertreter des Sozial- und des Finanzministeriums dabeisitzen. Wenn denen auffällt, daß der Präsident Mißwirtschaft betreibt, dann müssen sie mich meines Amtes entheben.

Format: Ihre Ablöse ist ja offensichtlich geplant. Minister Haupt hat die Deadline für eine Entscheidung mit 1. März festgesetzt. Gehen Sie davon aus, abgelöst zu werden?
Sallmutter: Deadlines hör’ ich laufend. Und bei der momentanen politischen Diskussion gehe ich von gar nichts mehr aus. Die FPÖ hat den Sozialversicherungs- und Gesundheitsbereich politisch in der Hand – da ist es nur naheliegend, sich auch den sogenannten operativen Teil, den Hauptverband, zu holen.

Format: Als potentieller Nachfolger ist Erwein Paska, Präsident der Kärntner Arbeiterkammer, im Gespräch.
Ich nenne keine Namen. Aber ich nehme schon an, daß er aus Kärnten kommt.

18.2.2001 10:10