Pharma-Industrie fordert Senkung der Mehrwertsteuer

Die Pharmaindustrie sieht kaum mehr Spielraum für Preissenkungen bei Arzneimitteln: "Einfach zu sagen, da sind noch zehn Prozent drin, das halte ich für Zynismus", kritisierte Erhard Geisler, Geschäftsführer der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen, Pharmig.
Stattdessen forderte die Pharma-Lobby eine Mehrwertsteuersenkung für Medikamente.
Die 1996 und 2000 vom Hauptverband ausverhandelten Preissenkungen würden bis Ende 2001 ohnehin geschätzte 3,3 Milliarden Schilling ausmachen, meinte Geisler. Verhandlungen in derartiger "Brutalität" werde man künftig nicht mehr akzeptieren. Wenn der Hauptverband den Bogen überspanne, werde es manche innovative Medikamente in Österreich eben nicht mehr geben. "Wir müssen Erträge erwirtschaften und wenn wir das nicht mehr können, können wir auch nicht mehr anbieten", warnte Geisler vor überzogenen Forderungen.
"Hier ist nichts zu sanieren"
Im Übrigen seien die Medikamentenkosten mit 17,8 Milliarden Schilling zu niedrig, um mit einer zehnprozentigen Senkung die Krankenkassen in die schwarzen Zahlen zu bringen. "Hier ist nichts zu sanieren, weil der Arzneimittel einen derart geringen Anteil (an den Gesamtkosten der Sozialversicherung, Anm.) haben", so Geisler. Konkrete Angaben über Einsparungsmöglichkeiten wollte er nicht machen. Dafür sei der Markt zu differenziert.
Pharmig-Präsident Ulrich Bode schlug stattdessen als
"Minimalforderung" eine Halbierung des Mehrwertsteuersatzes für Medikamente auf zehn Prozent vor. Die 20-prozentige Mehrwertsteuer sei angesichts der niedrigen Mehrwertsteuer auf andere Güter (etwa zehn Prozent auf pornographische Literatur) unverständlich. Außerdem forderte Bode messbare Ziele für das Gesundheitswesen und ein funktionierendes Rechnungswesen bei den Sozialversicherungen.
