Sharon und Barak über Grundzüge einig

In Israel wird es wohl eine Regierung der nationalen Einheit geben: In der Hauptsache haben sich der künftige Premier Ariel Scharon und sein Amtsvorgänger Ehud Barak schon geeinigt: Inzwischen ist es im Gaza-Streifen zu einem weiteren blutigen Vorfall gekommen.
Bei einem Raketenangriff israelischer Kampfhubschrauber in der Stadt Gaza ist am Dienstag ein palästinensischer Offizier getötet worden. Nach Angaben der palästinensischen Polizei wurde das Mitglied der Leibgarde von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, der "Force 17", in seinem Auto im Norden der Stadt getroffen. Israelische Hubschrauber hätten auch weitere Ziele im Norden des Gazastreifens bombardiert, darunter eine Zentrale der "Force 17", hieß es. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man untersuche die Vorfälle, die auch im israelischen Rundfunk gemeldet wurden.
Die neuen israelischen Angriffe folgten auf stundenlange schwere Zusammenstöße zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern in der Nacht zum Dienstag. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben allein im Bereich der Stadt Khan Yunis im Süden des Gazastreifens 90 Palästinenser verletzt.
Der Frieden wird vertagt
Ein Sprecher der Likud-Partei des neu gewählten Ministerpräsidenten Ariel Sharon sagte am späten Montagabend, Sharon und der amtierende Regierungschef Ehud Barak von der Arbeitspartei hätten sich weitgehend auf die Grundzüge für eine Regierung geeinigt. Eine Sprecherin der Arbeitspartei bestätigte, dass es Fortschritten gegeben habe. Trotzdem sei eine Koalitionsvereinbarung noch nicht unter Dach und Fach.
Bei der Fortsetzung der Verhandlungen am Dienstag soll es auch um die Verteilung der Kabinettsposten gehen. Unterdessen kam es im südlichen Gaza-Streifen bis spät in die Nacht zu Schießereien.
Der israelische Rundfunk berichtete, Sharon und Barak hätten sich darauf verständigt, eine Übergangs-Friedensregelung anzustreben. Jede endgültige Friedensregelung mit den Palästinensern, mit Syrien und dem Libanon müsse in Übereinstimmung mit den UNO-Resolutionen und dem Prinzip "Land für Frieden" stehen, hieß es weiter. Dies war von den Palästinensern gefordert worden. Ferner hätten beide Seiten vereinbart, keine neuen Siedlungen im besetzten Westjordanland und im Gaza-Streifen zu errichten. Der Ausbau bestehender Siedlungen solle jedoch je nach Bevölkerungsentwicklung zulässig sein.
Palästinenserpräsident Yassir Arafat traf erstmals seit der Wahl Sharons am Montag in Kairo mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zusammen. Aus Arafats Begleitung hieß es anschließend, dieser habe um Unterstützung für die palästinensische Position nach der Wahl Sharons geworben.
