Montag, 12. Februar 2001

ÖBB-Aufsichtsratschef Schuster trat zurück

Helmut Schuster, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), ist mit Wirkung vom 9. Februar von seinem Amt zurückgetreten.

Als Gründe gab er dafür unter anderem "sich abzeichnende unklare Strukturen" an.

Zudem wolle er nicht "fünf vor zwölf Entscheidungen treffen, die später eventuell wieder rückgängig gemacht würden", was die Zeitung als Hinweis auf die anhaltenden Diskussionen rund um die Neubesetzung des ÖBB-Vorstandes sowie des Aufsichtsrates wertet.

Dass Schuster - er führte einst das Backwarenunternehmen Ankerbrot - nicht im ÖBB-Aufsichtsrat verbleiben wird, war in den letzten Monaten als sicher betrachtet worden.

Als ein Grund für den überraschenden Rücktritt von Helmut Schuster wird in Bahnkreisen gesehen, dass Schuster "vermeiden wollte, seines Amtes enthoben zu werden". Der Abgang Schusters sei demnach freiwillig, aus eigenen Stücken erfolgt. Eine Hauptversammlung, um einen ÖBB-Aufsichtsrat zu entheben, könnte kurzerhand vom Eigentümervertreter (Infrastrukturministerin Monika Forstinger) und einem Schriftführer einberufen werden.

Aus Sicht von ÖBB-Generaldirektor Helmut Draxler habe Schuster die ÖBB-Reform "durchaus positiv begleitet". Schließlich sei während seiner Amtszeit der ÖBB-Personalstand von 67.000 auf 49.000 Mitarbeiter gesenkt worden, sagte eine ÖBB-Sprecherin zur APA.

Als bemerkenswert gilt in Bahnkreisen auch, dass Schuster immer den "Blickwinkel zum Kunden und zum Steuerzahler" gehabt habe. Er sei viel mit der Bahn gefahren - ohne einen Freifahrtschein zu besitzen, wird betont -, da er ein Haus in Tirol besitze. Auf diesen Reisen habe sich Schuster immer sehr dafür interessiert, wie das Kundenservice der ÖBB funktioniere.

Schuster wurde im März 1993 vom damaligen Verkehrsminister Viktor Klima (S) zum ÖBB Aufsichtsratsvorsitzenden nominiert. Am 25. März 1993 hat sich der 18-köpfige ÖBB-Aufsichtsrat (12 Kapitalvertreter, 6 Arbeitnehmervertreter) konstituiert. Ende April 1998 wurde Schuster von Verkehrsminister Caspar Einem (S) wieder zum Aufsichtsratsvorsitzenden der ÖBB bestellt. Zu seinem Stellvertreter wurde auf Seiten der Kapitalvertreter Rudolf Streicher nominiert, der den ÖBB Aufsichtsrat nunmehr bis auf weiteres leitet.

12.2.2001 18:35