Anwalt kritisiert US-Medien und Regierung

Ein soeben in den USA erschienenes Buch über die Affäre Waldheim behauptet, der jüdische Weltkongress habe mit seinen Angriffen auf den ehemaligen UNO-Generalsekretär und späteren österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim andere Motive gehabt als diesem Nazi-Verbrechen anzuhängen.
Als Leiter des World Jewish Congress (WJC) sei es Edgar Bronfman in erster Linie darum gegangen, den Ruf des WJC als eine der herausragenden (high profile) jüdischen Organisationen aufrecht zu erhalten, schreibt der Autor, Harold H. Tittman III, in "The Waldheim Affair: Democracy Subverted".
Die Kampagne gegen Waldheim sei eine "gewaltige Publicity" für den WJC gewesen, zitiert Tittman Edgar Bronfman. Der wichtigste Beweggrund sei nicht gewesen, Waldheim als Nazi-Kriegsverbrecher anzugreifen, sondern die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf den Holocaust zurückzuführen, damit dieser nicht in Vergessenheit gerät. Gut publizierte Streitfragen wie die Waldheim-Affäre und später die Angriffe auf die Schweizer Banken hätte diesen Zweck erfüllt, schreibt der Autor in seinem 129 Seiten umfassenden Werk: "Dass Waldheim mit dem Holocaust nichts zu tun hatte, schien Bronfman nicht zu stören, solange die Presse fleißig über die WJC-Vorwürfe über Waldheims angebliche Rolle beim Transport griechischer Juden nach Auschwitz berichtete."
Die amerikanische Presse macht in Tittmans Buch keine gute Figur. Ohne Unterstützung der "New York Times" und der "Washington Post" wäre es unmöglich gewesen, Waldheims "falsches Image" eines Nazi-Verbrechers in den USA zu verbreiten, schreibt er. Die Berichterstattung sei oft einseitig, falsch und unvollständig gewesen. Für ihn eine mögliche Erklärung: Die Presse pflege abzudrucken, was in der Öffentlichkeit ankomme - und Nazi-Geschichten kämen immer an. Noch 1996 habe etwa der Times-Kolumnist A.M. Rosenthal Waldheim als "mutmaßlichen Kriegsverbrecher" beschrieben, obwohl die jugoslawischen Beschuldigungen gegen Waldheim nach dem Krieg, auf die sich die Kolumne stützte, längst widerlegt worden seien.
Waldheim war "der große Fisch"
Scharf geht Harold H. Tittman III, in seinem Buch "The Waldheim Affair: Democracy Subverted" auch mit der US-Regierung ins Gericht. Das dem Justizministerium eingegliederte Office of Special Investigations (OSI) sei auf Drängen des WJC etabliert worden, um ehemalige Nazis in den USA aufzuspüren. Diese Aufgabe hatte bis dahin der Einwanderungsdienst (INS) wahrgenommen. Das OSI habe durchgesetzt, Waldheim auf die berüchtigte 'Watch List' zu setzen, obwohl es bis heute keinen Beweise für seine Mitschuld gebe. Waldheim sei für den OSI der "grosse Fisch" gewesen, meint Tittman.
Das vorige Woche erschienene Buch hat bereits zu einer Anfrage des WJC beim Verleger geführt. WJC-Exekutivdirektor Elan Steinberg habe wissen wollen, wer das Buch finanziert hat. "Die glauben wahrscheinlich, die österreichische Regierung stecke dahinter", sagte der Marketing-Direktor des Verlags, Richard G. Smith. Der Verlag hat die Stiftung "The Foundation of Truth in the Affairs of Democracy" etabliert. Eine ihrer ersten Aufgaben sei, Waldheims zu rehabilitieren und seinen Namen von der
"Watch List" zu entfernen, sagte Smith.
