Weiter Streit wegen Massenschlachtungen

Die Kontroverse um die geplanten Massenschlachtungen von Rindern in der EU geht weiter: Österreich macht derzeit auf dem Rindfleischsektor eine Politik "am Rücken der Bauern", kritisiert Agrarkommissar Franz Fischler. Landwirtschafts-minister Molterer zeigte sich "irritiert", dass die von Österreich beantragte Ausnahmegenehmigung noch nicht bewilligt sei.
Wenn Österreich das EU-Programm zum Aufkauf und zur Vernichtung von Rindfleisch nicht anbietet, blieben die Bauern auf ihren älteren Kühen sitzen, da Fleischhauer diese nicht mehr kaufen, meint Fischler. Er hat zahlreiche Briefe österreichischer Bauern erhalten, in denen die Umsetzung des Aufkaufprogramms der EU auch in Österreich eingefordert wird.
Österreich will sich Hintertürl offen halten
Auch habe Österreich nur halbherzig darum ersucht, von dem EU-Programm ausgenommen zu werden. Denn das Landwirtschaftsministerium wünschte in einem Schreiben vom 12. Jänner zwar, das Programm nicht umsetzen zu müssen, schrieb aber zugleich, dass man sich im Falle massiver Marktstörungen doch vorbehalten will, später in das Programm einzusteigen. Mit dieser Hintertür kann der Wunsch Österreichs aber nicht genehmigt werden, sagte Fischler Dienstag Abend in Straßburg vor österreichischen Journalisten.
Vernichtung von Rindern auf österreichische Kosten
Derzeit müsste Österreich laut EU-Verordnung den Bauern anbieten, ihre unverkäuflichen Rinder zu Marktpreisen aufzukaufen. Der Ankauf würde zu 70 Prozent von der EU und zu 30 Prozent aus nationalen Mitteln bezahlt. Das Fleisch muss anschließend auf Kosten der Republik Österreich vernichtet werden. Es liegt in der Verantwortung der Bauern, wann und welche Tiere sie in dieses Programm liefern, erläuterte Fischler. Es soll dadurch nicht ein Tier mehr geschlachtet werden als ohne Programm, so Fischler, der daran erinnert, dass in der EU ohne jede Krise jährlich bis zu 30 Millionen Rinder geschlachtet werden.
Fleisch soll an karitative Organisitionen gehen
Nach den heute vorgestellten Vorschlägen der EU-Kommission könnte Österreich in Zukunft, voraussichtlich ab 1. April, angekauftes Fleisch auf eigene Kosten auch einlagern. Das Fleisch, das aus Steuergeldern bezahlt wurde, dürfe aber anschließend nicht mehr verkauft werden, sondern müsste karitativen Zwecken zur Verfügung gestellt und verschenkt werden. Das allerdings ist bei den zu erwartenden Mengen nicht ganz einfach, so Fischler.
Etikettenschwindel an der Wurst- u. Fleischtheke?
Fischler erinnert auch daran, dass es sich ausschließlich um Fleisch von Tieren über 30 Monaten handelt, das ausschließlich zu Wurst verarbeitet wird. Und die Hälfte der Fleischhauer hat derzeit Tafeln in der Theke, dass ihre Wurst garantiert kein Rindfleisch enthält. Wenn von den vielen Rindschnitzeln die Rede sei, die nun verbrannt werden, "da muss ich ja lachen", so der Agrarkommissar.
