Mittwoch, 7. Februar 2001

TV-MEDIA: Acht neue Folgen der Beamten-Sitcom

Alarmstufe Rot für alle, die in Beamtenkarriere, Pragmatisierung und k.u.k. Kanzleiordnung die höchsten anzustrebenden beruflichen Weihen sehen. Denn ab Donnerstag legt die kultige Chaostruppe von MA 2412 im
ORF wieder los, um in acht brandneuen Folgen den Amtsschimmel gnadenlos zum Wiehern und das TV-Publikum
zum Lachen zu bringen.

Acht neue Kult-Folgen - und es gibt einige Neuigkeiten im berüchtigten Amt für Weihnachtsdekoration am Rande der Stadt. Erstmals treiben die Herren Weber (Alfred Dorfer), Ingenieur Breitfuß (Roland Düringer) und Claus (Karl Ferdinand Kratzl) sowie die Magistrats-Dumpfbacke Knackal ihr amüsantes Unwesen im ORF-Hauptabendprogramm: Die Amtsräume öffnen um 20.15 Uhr in ORF 1. Und weil eine Folge bekanntlich nur 25 Minuten lang ist, wird ein Doppelpack
gereicht - immer zwei Folgen hintereinander, und im Anschluss daran darf dann, quasi als humoristisches Schlagobershauberl auf die Amtsmelange, die neue ORF-Comedyhoffnung Ciro de Luca seine Pointen abfeuern.

Raus aus dem Amt
Neu ist teilweise auch die Umgebung, in der sich die vom TV-Publikum heiß geliebten (selbst in den Wiederholungen bis zu 750.000 Zuseher) Antihelden jetzt herumtreiben. "Eine der Bedingungen fürs Weitermachen war, dass sich das Geschehen wenigstens teilweise aus dem Amt wegbewegt, weil diese Grundsituation langsam ausgereizt ist",
weiß Alfred Dorfer. Und so verschlägt es den Herrn Weber und den Ingenieur Breitfuß unter anderem in die Shopping City Süd, in einen Supermarkt und vor allem in ein anderes, "feindliches" Amt, wo die Parteien - in diesem Falle unsere beiden Helden - noch viel schlechter behandelt werden als die Bürger beim Amt für Weihnachtsdekoration.

Schöpferischer Jungbrunnen
Für MA-2412-Regisseur Harald Sicheritz, immerhin einer der
erfolgreichsten (u. a. Hinterholz 8, Wanted) und meistbeschäftigten Filmemacher Österreichs, sind die rund sechs MA-2412-Drehwochen pro Jahr zu einer Art schöpferischem Jungbrunnen geworden: "Man verliert als
Regisseur mit zunehmendem Alter und wachsender Routine ein wenig die kreative Unschuld. Und da ist die Arbeit an MA 2412 stets eine Art Rückkehr zu den Wurzeln." Trotz des enormen Erfolges der Beamten-Sitcom (der die grund-sätzliche Skepsis maßgeblicher Kreise im ORF gegenüber der Serie nicht schmälern konnte) entsteht MA 2412 immer noch unter verschärften Bedingungen: minimale Budgets, vor allem aber nur wenig Zeit. Sicheritz: "Eine alte Faustregel beim Filmen besagt, dass man bei einer TV-Produktion pro Tag rund fünf Minuten schneidefertiges Material schaffen muss. 25 Minuten MA 2412 hingegen werden von uns in eineinhalb Tagen abgedreht." Obwohl das mitunter sehr schlaucht - vor allem beim SCS-Dreh für die Folge Außendienst letzten Sommer während der Rekordhitze war die Crew knapp vorm Amoklauf -, liebt Sicheritz diese schnelle Arbeit: "Dieser Druck schafft eine ganz bestimmte Qualität der Konzentration und der Kreativität. Und das ist unter anderem sicherlich eines der Erfolgsgeheimnisse dieser Serie."

Skurriles Erfolgsdetail
Eben wurde die Serie auch in die Schweiz und nach Dänemark (!) verkauft. Roland Düringer, der gerade mit Hochdruck an seinem neuen Liveprogramm
250 ccm - Die Viertelliter Klasse schreibt, erkennt allerdings auch gewisse Nachteile dieser Extraleistung: "Deswegen wird's aber auch nie mehr Budget für MA 2412 geben. Wenn's nämlich so immer gut funktioniert, haben die Geldgeber keinen Grund, mehr auszugeben - und irgendwie kann
ich das sogar verstehen." Dass die österreichische Beamtensitcom trotz der deutlich erkennbaren
Sparproduktion ein derart durchschlagender Erfolg ist, liegt für
Sicheritz und Dorfer an den Identifikationsmöglichkeiten. "Entweder ist man ein Beamter, oder man hat mit ihnen schon zu tun gehabt und nicht
die besten Erfahrungen gemacht", resümiert der Regisseur.

Neue Staffel & Kinofilm
Dementsprechend viel versprechend ist auch die MA-2412-Zukunft. Alfred Dorfer hat bereits vier Drehbücher für eine weitere Staffel, die im Herbst gedreht werden soll, abgegeben. Roland Düringer, der nach eigenen Angaben "ein ziemlich langsamer Schreiber" ist, steuert ebenfalls wieder vier neue Folgen bei. Obwohl er offen zugibt: "Ich bin eigentlich derjenige, der sagt, dass es langsam reicht. Man sollte das nicht zu Tode spielen, dass es dann keiner mehr sehen will." Vor kurzem trat der ORF an Dorfer und Düringer schließlich mit der Idee heran - möglicherweise als krönender Abschluss -, aus MA 2412 auch einen Kinofilm zu machen.

7.2.2001 13:19

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Kino

Der Diktator

Komödie, Satire - USA, 2012

Regie: Larry Charles

Mit: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Megan Fox, John C. Reilly, Ben Kingsley

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