Samstag, 10. Februar 2001

Lange Samstage am Bank-Schalter

Laut einem FORMAT exklusiv vorliegenden Bericht plant das Wirtschaftsministerium, Österreichs Bankangestellte zukünftig auch an Samstagnachmittagen arbeiten zu lassen.

Sie hatten alle ein seltsames Gefühl im Magen, als sie Mitte Jänner die Kollektivvertragsgespräche verließen. Der Grund für die Verstimmung bei den Gewerkschaftern der Sektion Geld und Kredit: Die Personalchefs am anderen Ende des Verhandlungstisches zeigten keinerlei Interesse am Thema Samstagsarbeit. Einen Monat später macht das Verhalten
der Personalchefs Sinn – denn Wirtschaftsminister Martin Bartenstein höchstpersönlich wird ihnen die lästige Arbeit abnehmen: Er will Österreichs 70.000 Bankangestellte per Gesetzesänderung künftig auch samstags am Schalter arbeiten sehen.

Laut einem FORMAT exklusiv vorliegenden internen Papier des Wirtschaftsministeriums sollen neben Kreditinstituten auch andere ausgewählte Dienstleister wie etwa Friseursalons oder Reisebüros an Samstagen länger offenhalten dürfen. Bartenstein will zu diesem Zweck gezielte Ergänzungen im Arbeitsruhegesetz (ARG) durchsetzen.

Banker streiken. Für Bankengewerkschaftschef und Erste-Betriebsrat Günter Benischek stehen des Ministers Pläne in deutlichem Widerspruch zu den Interessen der betroffenen Branchen. Bisher war es üblich, die Samstagsarbeit per Kollektivvertrag zu regeln. Mit der Gesetzesänderung fällt das weg. Benischek: „Bisher konnte man mit uns über jede Ausnahmeregelung reden. Geht das Gesetz so durch, würden die Arbeitgeber über uns drüberfahren. Sollte die Samstagsarbeit so kommen, werden die Bankangestellten auf die Barrikaden gehen.“

Knackpunkt aus Sicht der Gewerkschafter: Bartenstein will eine Beschäftigung am Samstag nach 13 Uhr zulassen. Betroffen sind jene Betriebe, die „aufgrund ihres äußeren Erscheinungbildes und ihrer Tätigkeit mit Handelsbetrieben vergleichbar sind“, etwa auch Kosmetiksalons, Fotogeschäfte oder Copy-Shops.

Unterstützung findet Benischek bei Handelsgewerkschafter Erich Reichelt. Der sieht im Bartenstein-Vorstoß eine Umgehung der derzeitigen Regelung, die längere Öffnungszeiten nur bei wichtigen Gründen, etwa einem Versorgungsengpaß, zuläßt. Reichelt: „Bartenstein entgeht mit der neuen Bestimmung der Gefahr einer Klage vor dem Verfassungsgerichtshof. Mit dem neuen Gesetz kann er bedenkenlos längere Öffnungszeiten verordnen. So geht’s nicht.“

Koalitionszwist. Zwischen den Koalitionspartnern gibt es zu dieser Frage noch keine Einigung. Während die ÖVP mit der Erweiterung des wöchentlichen Öffnungszeitrahmens von derzeit 66 auf 72 Stunden nach vorne prescht, steht die FPÖ ausnahmsweise auf Gewerkschafterseite. Bartenstein gibt sich aber gelassen und steht zu seinen Liberalisierungsplänen: „Ich bleibe bei meinem Vorschlag. Letztendlich fällt die Entscheidung aber in den höchsten Gremien der Koalitionspartner.“
Daß ein Öffnen der Bank am Wochenende wenig Sinn macht, belegen Erfahrungen aus Deutschland. Dort dürfen Geldinstitute schon seit Jahren am Samstag auch nach 13 Uhr offenhalten. Eine Gelegenheit, die von den Kunden nicht angenommen wird – der Trend zu Selbstbedienungsfoyers, Internet- oder Telefonbanking setzt sich immer stärker durch.
Gewinner der neuen Öffnungszeiten werden jedenfalls die Konsumenten sein. Sie können künftig auch an Samstagnachmittagen ihre Strom- und Gasrechnung zahlen oder einfach nur mit ihrem Anlageberater über die Aktienkurse an der Wall Street fachsimpeln.

10.2.2001 18:47