Niki Lauda rechnet in NEWS mit Österreich ab

Ein Idol geht ins Exil. Am Montag zeichnete Niki Lauda einen 3-Jahresvertrag mit Jaguar. In NEWS rechnet Niki Nazionale mit Österreich ab.
News: Herr Lauda, Sie geben nun bei Jaguar als Boss der Rennsport-Division Gas. Warum sind Sie wieder in die Formel 1 eingestiegen, wo Sie doch im Cockpit der AUA Platz nehmen wollten?
Lauda: Ich konnte dem Verfall der Lauda Air nicht länger zuschauen. Das Stammhaus-Konzept der AUA hat die Lauda Air nicht nur amputiert, sondern quasi kaputtgemacht. Die Lauda-Air-Mitarbeiter sind derart frustriert, dass sie haufenweise gekündigt haben.
News: Was stört Sie am Stammhaus-Konzept?
Lauda: Es ist total krank, unsere günstige Kostenstruktur nicht zu nutzen. Denn während das Durchschnittsgehalt eines Lauda-Mitarbeiters 480.000 Schilling pro Jahr beträgt, sind es bei der AUA 860.000 Schilling.
News: Was hat Sie bestärkt, im Formel-1-Zirkus ein Comeback zu feiern?
Lauda: In erster Linie die ausweglose Situation, in Österreich nicht reüssieren zu können und zuschauen zu müssen, wie mein Lebenswerk kaputtgemacht wird. Ich bin aber Gott sei Dank nicht an Österreich gebunden und übersiedle nun eben nach London, wo es diese Freunderlwirtschaften nicht gibt.
News:Warum haben Sie sich gerade für Jaguar entschieden? Das Team hat noch kein Rennen gewonnen.
Lauda: Das ist genau der Grund, warum ich mich für diese Challenge entschieden habe. Ich werde Jaguar gemeinsam mit Teamchef Bobby Rahal, Travor Crisp, dem Boss der Motorenschmiede Cosworth und dem Chef von Pi-Electronic, Tony Purnell, an die Spitze der Formel 1 bringen.
News: Wo werden Sie in Zukunft leben?
Lauda: Ich werde in England leben. Da alle drei Fabriken in der Nähe von Oxford sind, liegt es nahe, dass ich mich in dieser Gegend ansiedeln werde. Mit der Herbergssuche werde ich schon nächste Woche beginnen.
News: Ist Ihre Übersiedlung ein Abschied für immer?
Lauda: Ich pfeife auf Österreich und wandere aus. Was soll mich noch halten? Man hat mich brutal rausgeprügelt wie einen Hund, nur weil ich mich nicht dressieren lassen wollte.
News: Was hat Sie aus der Heimat vertrieben?
Lauda: In Österreich zählt nur die Freunderlwirtschaft. Unabhängigkeit wie in den USA gibt es bei uns nicht. Schuld ist das System, weil nach wie vor viele Geschäfte so wie die Luftfahrt politisch beeinflusst werden. Daran hat sich nichts geändert. Ich bin vor 20 Jahren als Einzelkämpfer gestartet und habe es immerhin zu 25 Fliegern gebracht. Und nur weil ich einmal ein schlechtes Ergebnis hatte – bedingt durch den hohen Kerosinpreis und den Dollarkurs –, muss ich weichen. Dafür gibt es die Proporz-Zwillinge Bammer und Rehulka noch immer, obwohl sie im Flugbetrieb im Vorjahr eine Milliarde Verlust erwirtschaftet haben. Die beiden stellen sich doch glatt als politische Märtyrer hin und behaupten, sie seien Opfer der schwarz-blauen Regierung.
News: Welche Stolpersteine waren für Sie am größten?
Lauda: Natürlich die AUA-Vorstände, die mich ausradiert haben. Wäre ich nicht als größter Kritiker von Bammer und Rehulka aufgetreten, wäre ich heute auch Teil dieses Systems und würde ebenfalls eine Jahresgage in Millionenhöhe kassieren. Das ist aber nicht mein Stil. Und dass mich die beiden mit biblischem Hass verfolgt haben und mir letztendlich sogar ein Flugverbot erteilten, spricht für sich selbst.
News: Ihre Intimfeinde stehen nun aber als Sieger da …
Lauda: … Bammer und Rehulka sind nur Kurzzeitsieger. Denn wenn sich die AUA-Verantwortlichen näher mit der Bilanz auseinander setzen, die durch Flugzeugverkäufe geschönt ist, kann sich das Blatt schnell wenden.
News: Unter welchen Bedingungen könnten Sie sich eine Rückkehr nach Österreich vorstellen?
Lauda: Ich denke nicht daran, nach Österreich zurückzukehren, wo ich doch gerade erst ausgewandert bin. Jetzt beginne ich mein neues Leben.
Lesen Sie das ganze Interview im aktuellen NEWS.

