Mittwoch, 7. Februar 2001

Entertainment-Company gibt Gas

Der Libro-Konzern will 2001 das Tempo beinhart forcieren – nicht nur beim Wachstum, sondern auch bei den Erträgen.

Für Libro-Chef André Rettberg ist die Sache nach den Turbulenzen der vergangenen Monate klar. Das mit
1. März 2001 startende neue Geschäftsjahr soll nach rasanter und kostenintensiver Expansion vor allem eines bringen: Cash. Rettberg im NEWS-Interview: „Die Basis ist gelegt, jetzt wollen wir Geld machen.“

Die Strategie zur Erhöhung des Gewinns – im laufenden Jahr wird das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit leicht positiv sein – ist bereits fixiert. Die wichtigsten Punkte zur Versöhnung mit den zuletzt arg gebeutelten Libro-Aktionären:

l Das Expansionstempo wird – ausgenommen die Internet-Tochter lion.cc – gedrosselt, Rettberg setzt auf „qualitatives“ Wachstum.

l Das Sortiment wird gestrafft, forciert werden zugkräftige Produkte wie etwa CDs einschlägiger Stars. Weniger Artikel sollen mehr Umsatz – und Gewinn – bringen.

l Eine breit angelegte Preisoffensive bei Libro und der Tochter Amadeus soll zusätzlichen Schub bringen. „Wir wollen unsere Preisführerschaft noch einmal ausbauen und das auch deutlicher als bisher kommunizieren“, kündigt Rettberg an.

l Und bei lion.cc (siehe Kasten) wiederum ist nach dem Einstieg der deutschen Mediengruppe WAZ der finanzielle Atem spürbar länger geworden.

Rot raus, Schwarz rein. Nach dem massiven Wachstum in den vergangenen beiden Jahren ist jetzt vor allem im Filial-Geschäft Konsolidierung angesagt. Amadeus soll nach Verlusten im laufenden Jahr im nächsten Geschäftsjahr schwarze Zahlen schreiben, die Ertragskraft der Libro-Outlets nachhaltig gestärkt werden. Auch in Deutschland – Libro ist dort mit 19 Filialen vertreten – wird das Tempo zurückgeschraubt. „In fremden Märkten muss man höllisch aufpassen“, gibt Rettberg zu bedenken. „Hier steht ebenfalls die Stärkung der Ertragskraft im Vordergrund.“
Der Libro-Konzern mit inzwischen rund sechs Milliarden Schilling Umsatz, 3.200 Mitarbeitern und 265 Libro- und 29 Amadeus-Filialen in Österreich ist aber keineswegs am Wachstumsplafond angelangt. Zum einen wird – wenn auch etwas langsamer und bedächtiger – im klassischen Filial-Geschäft weiter expandiert, zum anderen sehen die Konzern-Strategen zwei andere Töchter erst am Anfang ihrer Entwicklung: lion.cc und die Entertainment-Company.

Im via lion.cc abgewickelten E-Commerce und Internet-Business wurde mit dem im Vorjahr finalisierten Einstieg der WAZ die Basis für Umsatzhöhenflüge geschaffen. Nicht nur in Österreich und Deutschland, sondern ehebaldigst auch in Osteuropa. Rettberg: „Die Partnerschaft macht rasches internationales Wachstum erst möglich.“ Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2001/02: mehr als 500 Millionen Schilling. Die Kosten des Marktaufbaus werden von der WAZ getragen, die bei lion.cc auch das Sagen hat – was Rettberg nicht stört: „Wir haben immer gesagt, dass wir nicht die Mehrheit haben müssen.“ In Summe sind den Deutschen die lion-Anteile rund eine Milliarde Schilling wert: 600 Millionen in bar und 350 Millionen an Werbeleistungen. Der Deal ist auch Grund dafür, dass Libro trotz enormer Investitionen in lion.cc im bis Ende Februar laufenden Geschäftsjahr ein positives Ergebnis schafft.

7.2.2001 18:21