Mittwoch, 7. Februar 2001

Noch ausbaufähig: T-Commerce

Die Zahl der Handybesitzer in Deutschland wird nach Ansicht des Branchenverbands BITKOM bald die 50 Millionen-Grenze überschreiten. Die Hoffnungen der Telekommunikationsbranche auf den großen Boom im T-Commerce haben sich bisher allerdings nicht erfüllt. Der Kauf von Waren und Dienstleistungen durch Privatnutzer über das Mobiltelefon ist derzeit noch vernachlässigbar.

In zwei Jahren wird es in Deutschland voraussichtlich mehr Handys als Einwohner geben. Wie der Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und Medien (BITKOM) am Dienstag in Berlin mitteilte, werden im Jahr 2003 statistisch gesehen alle der mehr als 80 Millionen Bundesbürger mindestens ein Mobiltelefon besitzen. Der Trend gehe schon jetzt immer stärker zum Zweithandy, sagte BITKOM-Präsident Volker Jung. Schon im vergangenen Jahr sei die Zahl der Handy-Besitzer auf 48 Millionen gestiegen. Damit habe sich die Zahl der Mobiltelefone gegenüber 1999 mehr als verdoppelt. Inzwischen gibt es in Deutschland mehr Handys als Festnetzanschlüsse.

B2B dominiert

Die Hoffnungen der Branche ruhten auf dem Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen per Handy, betonte Jung. In Deutschland seien in diesem Bereich im vergangenen Jahr 438 Millionen Mark (223,9 Millionen Euro) umgesetzt worden. Damit stelle die Bundesrepublik in Europa, wo sich die Umsätze insgesamt auf 2,5 Milliarden Mark (1,3 Milliarden Euro) beliefen, "den größten Einzelmarkt". Allerdings beschränken sich Geschäfte per Handy bislang auf Transaktionen zwischen oder innerhalb von Firmen. Der Kauf von Waren und Dienstleistungen durch Privatnutzer über das Mobiltelefon sei derzeit "vernachlässigbar". Jung verwies darauf, dass auch bei herkömmlichen Internet-Geschäften per PC der Anteil der privaten Umsätze nur bei zehn Prozent liege.

Weltweit werden Anfang 2002 laut BITKOM mehr als eine Milliarde Menschen mobil kommunizieren. Allein im vergangenen Jahr legte die Zahl der Mobilfunkteilnehmer rund um den Globus demnach um gut 50 Prozent auf 725 Millionen zu. Vor allem durch den Handy-Boom entwickele Deutschland sich in den Informationstechnologien "mit einer bislang nicht gekannten Dynamik", betonte der BITKOM-Chef, dessen Verband 1250 Unternehmen vertritt.

Allerdings stehe die Mobilfunkbranche unter "einzigartigem Kostendruck", nachdem die Anbieter für den Kauf der neuen UMTS-Mobilfunklizenzen im vergangenen Jahr rund 100 Milliarden Mark aufwenden mussten, sagte Jung. Diese Mittel fehlten jetzt für Investitionen in die neuen Netze und neue Mobilfunkdienste.

7.2.2001 08:44