Dienstag, 6. Februar 2001

EM.TV: Wird doch nichts aus dem Kirch-Deal?

Neue Entwicklung in Sachen EM.TV - Der Filmrechtehändler soll offenbar mit der Tele München Gruppe verschmolzen werden.

Bisher halte EM.TV 45 Prozent an der Münchner Mediengruppe, berichtete das "Wall Street Journal" (WSJ) am Dienstag in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf gut informierte Kreise. Der Zusammenschluss der beiden bayerischen Medienunternehmen soll innerhalb eines Handels abgewickelt werden, in dem die Deutsche Bank über ihre Investment-Tochter Deutsche Morgan Grenfell Teile der Formel-1-Beteiligung von EM.TV übernehmen soll. Derzeit hält der im Nemax 50 notierte Filmrechte-Händler 50 Prozent an der Formel-1-Verwertungsgesellschaft SLEC.

Tele-München-Chef Herbert Kloiber bezeichnete die genannten Bedingungen als "Spekulation". Er persönlich habe mit keinem Mitarbeiter von Deutsche Morgan Grenfell gesprochen. Dennoch bestätigte er, dass er eventuell in Betracht ziehe, eine gelistete Aktiengesellschaft aus EM.TV und TMG zu kreieren. EM.TV soll nach "WSJ"-Angaben eine mögliche Verschmelzung der beiden Medienkonzerne durch Gelder aus dem Verkauf der SLEC-Anteile finanzieren.

Zu den Einzelheiten in Bezug auf die Aufteilung von SLEC schreibt die Zeitung: EM.TV soll 30 Prozent an SLEC der Deutschen Morgan Grenfell und mehr als 10 Prozent Bernie Ecclestone, der bisher 50 Prozent an SLEC besitzt, überlassen. Im Gegenzug soll Bernie Ecclestone darauf verzichten, EM.TV zu einer weiteren Aufstockung des SLEC-Anteils zu zwingen.

Ecclestone habe die Option, bis Ende Mai weitere SLEC-Anteile für fast 1 Milliarde Dollar an EM.TV zu verkaufen. Dies könne EM.TV angesichts der finanziellen Krise des einstigen Börsenlieblings derzeit nicht bezahlen. EM.TV-Chef Thomas Haffa habe noch bis Mittwoch Zeit, den Banken eine Lösung für die finanzielle Krise zu unterbreiten, schreibt "WSJ".

Haffa habe bisher wenig Interesse an dem Angebot gezeigt, obwohl der Aufsichtsratsvorsitzende Nickolaus Becker bestätigte, mit der Investorengruppe in den vergangen Tagen in Kontakt gestanden zu haben. Becker, die drei Vorstandskollegen von Haffa und die Banken von EM.TV, Westdeutsche Landesbank Girozentrale und Credit Suisse First Boston, sehen im jüngsten Angebot für den SLEC-Anteil eine Alternative zu der bisherigen Offerte der KirchGruppe. Bei Teilen der EM.TV-Entscheidungsträger gebe es Bedenken gegen das Kirch-Gebot, da dieses weiterhin die Verkaufsoption von Bernie Ecclestone an EM.TV aufrecht erhalte.

6.2.2001 18:40