Sonntag, 11. Februar 2001

Falsche Ratschläge von Greg Norman

Weil er seinem Mitspieler Greg Norman vertraute, hat der spanische Jungstar Sergio Garcia seine alleinige Führung beim Turnier in Sydney abgeben müssen.

Als Sergio Garcia am dritten Tag des "Greg Norman Holden International"-Turnier in Sydney seine Scorekarte im Clubhaus abgab, war der junge Spanier bester Stimmung. 68 Schläge brauchte er auf dem Par-73-Kurs, was ihm eine Führung von zwei Schlägen im Gesamtklassement vor dem australischen Jungstar Aaron Baddeley (203-67, 68, 68) einbrachte. Doch die Freude über einen weiteren gelungen Arbeitstag währte nur kurz. Aufgrund eines Drops ohne Strafschlag, den ihm sein Mitspieler und der Gastgeber des Turniers, Greg Norman, am ersten Loch gewährte, bekam Garcia vom Schiedsgericht zwei Strafschläge aufgebrummt und musste sich den ersten Rang bei ebenfalls 203 Schlägen (64, 69, 70) mit Baddeley teilen.

Wie kam es zu dem Zwischenfall? Nach seinem Drive am ersten Loch versperrte ihm eine Werbetafel eines Sponsors den freien Schlag zum Grün. Normalerweise darf man dann den Ball dann ohne Strafschlag an die nächstgelegene Stelle ohne Behinderung legen. Garcia tat genau dies in Absprache mit seinem Zähler Greg Norman. Der "weiße Hai" fragte Garcia, ob sie einen Schiedsrichter holen sollten, aber der impulsive Spanier wollte nicht allzu lange warten. Im Nachhinein ein Fehler. Denn wie sich herausstellte, dropte Garcia seinen Ball etwa einen Meter außerhalb der erlaubten Zone. Norman hatte angenommen, dass ein Besserlegen im Bereich von ein bis zwei Schlägerlängen möglich sei. "So habe ich das gelernt", verteidigte sich Norman.

"Ich bin stinksauer"


Anscheinend gilt diese Regel aber nicht mehr, denn PGA-Oberschiedsrichter John Paramor meldete sich nach Abschluss der Runde und belegte Garcia mit zwei Strafschlägen. Der Spanier hatte Glück im Unglück, denn hätte er seine Lage mit dem Drop verbessert - etwa den Ball vom hohen Gras auf das Fairway zu legen -, wäre er disqualifiziert worden. Deshalb hielt sich die Reaktion des für seine Wutausbrüche bekannte 21-Jährigen im Rahmen: "Natürlich bin ich stinksauer", machte Garcia keinen Hehl daraus, was er von Paramors Entscheidung hielt, "aber ich spiele derzeit gut und hoffentlich reicht es trotz des Einwands von Paramors noch zum Turniersieg. Ich kann froh sein, dass ich nicht disqualifiziert worden bin."

Greg Norman, der mit 205 Schlägen (66, 68, 71) hinter dem Engländer Ian Poulter (204-70, 69, 65) auf Rang vier liegt, war nach der Schiedsgerichtsentscheidung natürlich untröstlich. "So wie ich die Regel kenne, habe ich das richtige getan", sagte der 46-Jährige, dem die Modifizierung in diesem speziellen Fall offensichtlich entgangen war. "Ich habe Sergio gefragt, ob er zusätzlich einen Schiedsrichter hinzuholen möchte, aber er sagte nur 'Wenn du dass sagst, wird es schon stimmen'. Ich fühle mich schuldig, weil Sergio mich nach den Regeln gefragt hat. Aber diese Regeln sind, wie man sieht, sehr kompliziert, deswegen gibt es ja die Schiedsrichter."

11.2.2001 10:16