Montag, 5. Februar 2001

Nach den Kickern auch Handballer die Nummer eins

In der Nacht nach dem Triumph im Endspiel der 17. Männer-Handball-Weltmeisterschaft verloren die Franzosen die Contenance. 13.000 Fans brachten mit ihren Jubeltänzen und Freudengesängen die Tribünen des Palais Omnisport zum Beben.

Danach feierten Spieler, Trainer und Betreuer mit Champagner und Can-Can im Hotel "Paradis Latin" eine Party.

Zurecht, den drei Jahre nach den Fußballern gewannen auch die Handballer der Grand Nation im eigenen Land durch den 28:25-Erfolg nach Verlängerung gegen Titelverteidiger Schweden den WM-Titel. "Wir wollten diesen Titel und haben alles dafür getan. Wir haben es wie die Kicker gemacht und zu Hause gewonnen. Darauf sind wir sehr stolz", sagte Joel Abati stellvertretend für seine Mitspieler.

Sieg mit viel Glück

Ehrlicherweise vergaßen die Triumphatoren aber nicht, dass ihre Gold-Mission zwei Mal vor dem Ende stand. "Wir haben mental gewonnen und mit viel Glück", bekannte Abati. Gegen die Deutschen warf Jackson Richardson "die Blauen" fünf Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit in die Verlängerung. "Das Viertelfinale gegen Deutschland hat uns als Kollektiv noch mehr zusammen geschweißt. Danach hat uns nichts mehr stoppen können", meinte Kreisspieler Laurent Puigsegur.

Im Finale gelang Rechtsaußen Gregory Anquetil fast mit der Schlusssirene das gleiche Kunststück. "Bei dem Ausgleichstor habe ich an nichts gedacht, was um mich herum passieren könnte, sondern nur daran, den Ball ins Tor zu bringen", erzählte Anquetil, der anschließend seinen Rücktritt von der Nationalmannschaft verkündete.

Abschied mit WM-Titel

Mit dem zweiten WM-Titel nach 1995 hat sich auch Teamtrainer Daniel Costantini verabschiedet. "Das Finale war ein Traum", gestand er, "denn Schweden dominiert den Handball seit Jahren. Wir hatten schon gegen Deutschland viel Glück und gegen Schweden auch wieder." Abati nannte dies einen "Sieg der Motivation", und für Anquetil war es ein Beweis dafür, "dass nicht die stärkste Mannschaft gewinnen muss, wenn man mit dem Herzen dabei ist".

Schweden zum dritten Mal in Serie im Finale

Das "Tre Kronor"-Team stand zum dritten Mal in Serie im WM-Finale, das es nur zuletzt 1999 in Ägypten gegen Russland 25:24 gewonnen hat. Die Skandinavier waren 1997 mit 21:23 und auch im Olympia-Endspiel in Sydney mit 26:28 jeweils von den Russen gestoppt worden. Der Europameister mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren wird nach dem neuerlichen Dämpfer nicht herumkommen, die Auswahl umzubauen. Umsomehr, wiel Magnus Wislander (36), Ola Lindgren und Pierre Thorsson (beide 34) ihre Abschied vom internationalen Parkett angekündigt haben.

Enttäuschende Russen

Zu den Enttäuschungen des Turniers zählte zweifellos Olympiasiseger Russland, der im Halbfinale an Ägypten 19:21 scheitere und mit dem sechsten Platz Vorlieb nehmen musste. Angenehm überrascht haben hingegen die Nordafrikaner. Der Kontinental-Meister brachte im Halbfinale auch die Franzosen an den Rand einer Niederlage (21:24) und verpassten letztlich als Vierte eine Premiere knapp. Auf dem WM-Podium war noch nie eine nicht-europäische Mannschaft gestanden.

5.2.2001 13:52