Samstag, 10. Februar 2001

Proteste gegen Neonazis und rechte Gewalt

Begleitet von massiven Protesten sind am Samstag über 300 Rechtsextremisten durch Hagen in Westfalen gezogen. Nach Polizeiangaben wurden insgesamt 17 linke und rechte Demonstranten festgenommen.

Zwei der festgenommenen Neo-Nazis hatten "Ruhm und Ehre der Waffen-SS" skandiert, einer rief "Heil Hitler", und zwei trugen die so genannte Reichskriegsflagge.

Ein Polizeisprecher berichtete, das Bundesverfassungsgericht habe dem Hamburger Neo-Nazi Christian Worch als Veranstalter zuvor eine "Missbrauchsgebühr" vom 3000 Mark (21.000 Schilling) auferlegt. Dessen Beschwerde gegen die Auflagen sei dabei abgewiesen worden, weil es ihm nicht um Rechtsfindung gehe, sondern "missbräuchliche Inanspruchnahme des Rechtsweges". Ferner müsse er Gerichtskosten von rund 10.000 Mark (70.000 Schilling) übernehmen.

Für den Marsch der Rechtsextremen durch die westfälische Stadt galten laut Polizei strenge Auflagen. So durften die Rechten keine dunklen Springerstiefel oder Bomberjacken tragen, nicht in Blöcken marschieren und keine rechtsextremen Losungen skandieren.

Aus den Reihen der rund 7500 Gegendemonstranten hatten laut Polizei etwa 300 bis 500 Autonome wiederholt versucht, die Sperren zu durchbrechen und die Rechtsextremisten anzugreifen. Vier der 2000 eingesetzten Beamten seien leicht verletzt worden.

Begleitet von einem starken Polizeiaufgebot haben rund 1.000 vorwiegend junge Leute Samstag Nachmittag in Magdeburg gegen rechte Gewalt demonstriert. Einige bewarfen Polizisten mit Flaschen und Steinen. Es gab mehrere Festnahmen.

Mit Rufen wie "Nazis raus!" zogen die Demonstranten vom Hauptbahnhof in das Plattenbauviertel Olvenstedt, wo am 8. Februar 1997 der 17-jährige Punker Frank Böttcher von einem gleichaltrigen Skinhead durch Tritte und Messerstiche getötet wurde. Der von Bürgern gespendete Gedenkstein für das Opfer ist schon mehrmals geschändet und zerstört worden.

Im Landkreis Parchim in Mecklenburg-Vorpommern wurde laut Polizei ein jüdischer Friedhof geschändet. Zehn Grabsteine und das Eingangstor seien mit Hakenkreuzen und der Ziffer "88", für Neonazis eine Verschlüsselung des Namens Adolf Hitler, beschmiert worden. Polizei und Staatsschutz ermitteln.

10.2.2001 19:39