Mittwoch, 7. Februar 2001

Weiterbildungsmilliarde für Arbeitnehmer

Österreichs Arbeitnehmer sollen künftig mehr Geld für die Weiterbildung bekommen. Das fordert Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel, der sich für eine "Weiterbildungsmilliarde" sowie die Einführung eines einwöchigen Bildungsurlaubs einsetzen möchte.

Derzeit würde nur ein Drittel der Arbeitnehmer von ihrem Betrieb bei der Weiterbildung unterstützt. Nur jeder Zehnte könne es sich aber leisten bzw. die Zeit aufbringen, sich privat und auf eigene Kosten weiterzubilden, zitierte Tumpel bei einer Pressekonferenz am Mittwoch zwei Studien der Arbeiterkammer (AK). So seien etwa die Kosten für Weiterbildungskurse seit 1987 "explosionsartig" gestiegen.

Die beiden Studien hätten gezeigt, wie wichtig das Thema "Weiterbildung" den Arbeitnehmern sei, betonte der AK-Präsident. Fast drei Viertel der Befragten haben bei der Erhebung angegeben, dass sie Weiterbildung für ihr Vorwärtskommen im Beruf für wichtig halten. Wenn ein Drittel der Arbeitnehmer von ihrem Betrieb dabei unterstützt würde, sei dies positiv zu werten, meinte Tumpel. Dies dürfe allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass zwei Drittel keine Chance auf betriebliche Weiterbildung hätten.

Arbeiter u. ältere Arbeitnehmer sind besonders benachteiligt

Besonders benachteiligt sind demnach Arbeiter und ältere Arbeitnehmer. Laut Studie nahmen 1999 nur 18 Prozent der Arbeiter an einer vom Unternehmen unterstützten beruflichen Weiterbildung teil, während 40 Prozent der Angestellten in den Genuss dieser Förderung kamen. Im öffentlichen Dienst lag dieser Anteil sogar bei 54 Prozent. Auffällig ist auch, dass zwar die Hälfte der Arbeitnehmer unter 30 Jahren vom Betrieb bei der Weiterbildung unterstützt werden, allerdings nur ein Drittel der Arbeitnehmer über 50. Generell gilt auch, dass Arbeitnehmer mit steigender Berufsposition eher mit Unterstützung bei der Weiterbildung rechnen können.

Außerdem will Tumpel allen Arbeitnehmern einen gesetzlichen Anspruch auf eine jährliche Mindestweiterbildungszeit im Ausmaß einer Arbeitswoche einräumen. Diese bezahlte Bildungsfreistellung solle zusätzlich zum Urlaub gewährt werden. Weiters forderte der AK-Präsident einen Rechtsanspruch der Arbeitnehmer auf Bildungskarenz sowie die Anhebung des dafür gewährten Weiterbildungsgeldes von derzeit rund 5.700 S (414 Euro) pro Monat. Das Angebot an Weiterbildungskursen will Tumpel in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft durch "Gütesiegel" evaluieren.

7.2.2001 15:06