Ehemaliger Vertrauter bin Ladens sagt vor Gericht aus
Im Prozess um die Bombenanschläge auf zwei US-Botschaften in Ostafrika hat der mit Spannung erwartete erste Zeuge umfangreiche Aussagen zu der Organisation des Fundamentalistenführers Osama bin Laden gemacht.
Die Gruppe "El Kaeda" ("Die Basis") sei mit dem Ziel gegründet worden, einen "heiligen Krieg" zu führen und alle Moslems weltweit zu vereinen, sagte der ehemalige Vertraute bin Ladens am Dienstag vor Gericht in New York.
Für die Attentate auf US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 will die Staatsanwaltschaft bin Laden und seine Helfer zur Verantwortung ziehen. Damals waren insgesamt 224 Menschen, darunter zwölf US-Bürger, getötet worden. Es ist das erste Mal, dass ein Insider Informationen zu dem Fundamentalistenführer preisgibt, der sich in Afghanistan versteckt hält. Am Montag hatte die Hauptverhandlung gegen vier von insgesamt 22 Angeklagten begonnen.
Der 34-jährige Sudanese Jamal Achmed el Fadl war nach eigenen Angaben bei der Gründung der fundamentalistischen Organisation 1989 in Afghanistan dabei. In gebrochenem Englisch lieferte er bei seiner Anhörung vor Richter Leonard Sands eine lange Liste mit Namen von mutmaßlichen Mitstreitern bin Ladens sowie ein detailliertes Organigramm der Organisation. Der Staatsanwaltschaft zufolge erklärte sich el Fadl nach dem Bruch mit bin Laden bereit, mit den US-Behörden zusammen zu arbeiten. Der Kronzeuge soll noch mindest zwei weitere Tage verhört werden.
In seinem Eröffnungsplädoyer hatte Staatsanwalt Paul Butler gesagt, die Anschläge seien Teil einer anti-amerikanischen Verschwörung zur Tötung von US-Bürgern in aller Welt gewesen. Der Prozess gegen die ersten vier mutmaßlichen Attentäter dürfte mindestens neun Monate dauern.
