Montag, 5. Februar 2001

Militär in Ecuador geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor

In Ecuador macht die Regierung offenbar Ernst mit ihrer Drohung, die seit Tagen andauernden Proteste der Ureinwohner mit Gewalt zu beenden

Bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Militär wurden am Montag nach Polizeiangaben zwei Menschen getötet. Mindestens sieben weitere wurden verletzt, als Polizei und Militär gegen rund 700 protestierende Indianer in Puerto Napo vorgingen. Die Ureinwohner hatten im Zuge der Proteste gegen die neoliberale Wirtschaftspolitik eine Brücke in der rund 120 Kilometer südlich von Quito gelegenen Ortschaft blockiert.

Innenminister Juan Manrique sprach von einer "Operation der Streitkräfte". Nach tagelangen Demonstrationen gegen die Wirtschaftspolitik von Präsident Gustavo Noboa hatte die Regierung am Wochenende damit gedroht, die Proteste mit Gewalt zu beenden. Als Reaktion auf das Vorgehen der Armee setzten Vertreter der Ureinwohner die Verhandlungen mit der Regierung erneut aus.

Die Verhandlungen der Vereinigung der Ureinwohner Ecuadors (CONAIE) mit einer Regierungsdelegation zur Beendigung der Proteste seien nach Bekanntwerden der gewalttätigen Auseinandersetzungen abgebrochen worden, sagte CONAIE-Vorsitzender Antonio Vargas der Nachrichtenagentur AFP am Montag in Quito.

Die Indianer wollten bei den Verhandlungen eine Rücknahme der Preiserhöhungen erreichen, die seit Anfang des Jahres in Kraft sind. Mit Blockaden und Kundgebungen protestierten Schüler, Studenten und indianische Urbevölkerung seit Tagen gegen die Verdoppelung der Benzinpreise sowie die drastische Erhöhung der Fahrpreise für öffentliche Verkehrsmittel. Die Regierung in Quito hatte als Reaktion auf die Proteste bereits am Freitag den Ausnahmezustand verhängt.

Hunderte Ureinwohner und Landarbeiter setzten ihre Demonstrationen gegen die Preiserhöhungen am Montag fort. In Tena im Südosten des Landes versammelten sich rund 1.000 Ureinwohner. Auf zahlreichen Straßen im ganzen Land errichteten Demonstranten Sperren, darunter auch auf der wichtigen Route Panamericana. Durch die Blockaden kam es in mehreren Städten erneut zu Lebensmittelengpässen. In der Salesianer-Universität der Hauptstadt Quito campieren seit Tagen 6.000 Menschen. Seit Freitag befinden sich 39 Männer und zwei Frauen im Hungerstreik. Die Indianer, die rund 40 Prozent der ecuadorianischen Bevölkerung stellen, gehören zu den Ärmsten in dem südamerikanischen Land.

5.2.2001 20:58