Bischof Weber wird abgelöst

Ein populärer Kirchenmann nimmt Abschied: Der steirische Diözesanbischof Johann Weber (73) hat - mehr als ein Jahr vor dem offiziellen Termin - im Vatikan sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Als Gründe gelten einerseits seine angeschlagene Gesundheit, andererseits aber auch die Tatsache, dass Weber in vielen seiner Bemühungen, etwa in der Causa Groer, von Rom nicht gerade unterstützt worden war.
In seiner Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz musste er sich mit der schwersten Krise der österreichischen Kirche seit 1945 auseinander setzen: den Vorwürfen gegen den früheren Wiener Erzbischof Hans Hermann Groer wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen. In Webers Amtszeit fielen aber auch das Kirchenvolks-Begehren und der Beginn des "Dialogs für Österreich".
Weber wurde am 26. April 1927 in Graz-St.Veit als Sohn eines Gendarmerie-Inspektors geboren. Nach dem Militärdienst begann Weber zu Kriegsende sein Studium, zuerst zwei Semester Germanistik und Geschichte, dann vier Jahre Theologie. Am 2. Juli 1950 wurde Weber zum Priester geweiht. Der junge Priester kam gleich in ein ganz schwieriges Gebiet: Er wurde Kaplan im obersteirischen, zu damaligen Zeiten "tiefroten" Kapfenberg. Danach folgten Jahre im weststeirischen Industriegebiet Köflach, von 1962 bis 1969 war Weber Stadtpfarrer in Graz-St. Andrä. Am 10. Juni 1969 ernannte ihn Papst Paul VI zum 56. Bischof der Diözese Graz-Seckau, die Weihe erfolgte am 28. September 1969 im Grazer Dom.
Während dieser bewegten Jahre setzte Johann Weber eine Reihe diözesaner Schwerpunkte, oder, wie es wohl in der Politik oder im Sport heißen würde: "Highlights". Er stellte 1970 erstmals einen Laientheologen als Pastoralassistenten an, richtete im selben Jahr einen Diözesanrat ein, 1971 wurden erstmals Ordensfrauen in einer Pfarre ohne Priester am Ort erlaubt. 1974 folgte die Telefonseelsorge, 1977 die Errichtung der Wohngemeinschaft "Mütter im Karenzjahr". 1981 kam der große Steirische Katholikentag. Am 13. September 1983 besuchte Papst Johannes Paul II Mariazell.
Am 6. April 1995 wurde Weber in Wien als Nachfolger Groers zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt.
Als Nachfolger im Gespräch sind Gregor Henckel-Donnersmarck, Helmut Burkard, Alois Schwarz und Egon Kapellari. Henckel-Donnersmarck ist derzeit Abt des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz, Burkard als Generalvikar jetzt schon rechte Hand Webers, Schwarz ist Wiener Weihbischof, Kapellari Bischof in Kärnten. Medien brachten auch den Namen des Salzburger Weihbischofs Andreas Laun ins Gespräch.
