Negative Schlagzeilen auch nach dem Auszug

Bill Clinton hat Washington verlassen - aber nicht die Schlagzeilen. Seit dem Amtswechsel am 20. Jänner ist kaum ein Tag vergangen, an dem der Ex-Präsident und seine Frau Hillary nicht auf den Titelseiten der US-Medien erschienen sind. Es waren keine freundlichen Berichte.
Die Frage, warum Clinton am letzten Amtstag einen flüchtigen mutmaßlichen Steuerbetrüger schweren Kalibers begnadigte und welche Rolle Hillary beim Pardon für drei New Yorker Juden spielte, erregt weiter die Gemüter - auch die von namhaften Demokraten. Und dann sind da die Geschenke im Rekordwert, die die Clintons aus dem Weißen Haus in ihre privaten Domizile schleppten. Wie man weiß, verfügen Bill und Hillary inzwischen über zwei Villen zum Kaufpreis von insgesamt rund sechs Millionen Dollar (6,38 Mill. Euro/87,8 Mill. S), die es zu füllen gilt.
Als wäre das noch nicht genug, will Clinton angeblich in Kürze ein Büro im Carnegie-Tower in New York mieten - ein Luxus, der die Steuerzahler rund 700.000 Dollar im Jahr kosten würde. Nach US-Gesetzen stehen jedem Ex-Präsidenten zwei Büros auf Bundeskosten zu. "Aber muss es ein so teures sein?" fragen die US-Medien angesichts der Tatsache, dass die Miete für alle Büros der noch lebenden Ex-Präsidenten zusammen geringer ist als die für die von Clinton angepeilten Arbeitsräume.
"Brutal" nannte ein namentlich nicht genannter früherer Topberater in der "Washington Post" die Serie der jüngsten Extravaganzen und Ausrutscher Clintons, die einen freundlichen Rückblick auf die achtjährige Amtszeit des Demokraten erschwerten. Ein anderer sprach von einer "vertanen Chance", sich die Gefühle der Amerikaner warm zu halten.
Clinton begnadigt Steuerhinterzieher
Begonnen hatte das "Mediendebakel" für die Clintons, wie es die "Post" formulierte, am Tag der Vereidigung des neuen Präsidenten George W. Bush. Die Begnadigung des Finanziers Marc Rich, der sich vor einem Prozess wegen x-facher Steuerhinterziehung in die Schweiz absetzte, schlug wie eine Bombe ein. Bis jetzt, so sagen auch Parteifreunde Clintons, habe der Ex-Präsident keine plausible Erklärung für seinen Schritt geliefert. Kritiker meinen, dass es auch nur eine einzige gibt: die Tatsache, dass Richs Exfrau eine der großzügigsten Geldspenderinnen für die demokratische Partei ist.
Hillary selbst wiederum war anwesend, als Freunde ihren Mann - mit Erfolg - um die Begnadigung von mehreren orthodoxen Juden aus New York baten, die Millionen Dollar an öffentlichen Mitteln für eigene Zwecke gestohlen hatten. Die ehemalige First Lady bestritt zwar energisch jeden Zusammenhang mit ihrer Senatswahl - aber zumindest die Medien nahmen ihr das nicht ab.
Wollte Clinton Bush die Schau stehlen?
Es kam auch nicht gut an, dass Clinton am Tag des Amtswechsels noch eine lange Abschiedsrede vor dem Abflug nach New York hielt. Kritiker sahen darin einen "primitiven" Versuch, Bush am Tag seines Amtsantritts einen Teil der Schau zu stehlen. Weder die "Washington Post" noch die "New York Times" fanden dafür Verständnis - ebenso wenig wie für die Annahme von Geschenken im Wert von 190.000 Dollar, die nun die Clinton-Villen in Chappaqua (New York) und in Washington verschönern. Geschirr, Bestecke, Möbelstücke, Teppiche und Gemälde - "sie akzeptierten hemmungslos alles, was sie brauchen konnten", lautete ein TV-Kommentar.
Vor allem Hillary, so heißt es allgemein, hätte sich als aktive Politikerin hier die Zügel anlegen sollen. Die neue Senatorin habe ein großes Potenzial, schrieb die "New York Times". Aber sie müsse mit den zweifelhaften ethischen Standards brechen, die schon die Clinton-Zeit im Weißen Haus überschattet hätten: "Wie die Nation während der Präsidentschaft ihres Mannes erfahren hat, scheint Unsensibilität in ethischen Fragen das Markenzeichen der Clintons zu sein..."
"Es könnte noch schlimmer kommen"
Im Bekanntenkreis von Hillary und Bill grassiert nun eine Sorge: dass es noch schlimmer kommen könnte. Bisher seien Beide in einen festen "Apparat" von Sprechern und Beratern eingebunden gewesen, die Eskapaden der Clintons zumindest ein wenig unter Kontrolle gehalten hätten und die Wogen glätteten, wenn es zu Ausrutschern kam. "Jetzt geht es vor allem um eines", meint ein ehemaliger Spitzenberater. "Die Clintons müssen ein paar Leute um sich herum behalten, die ihre besten Seiten zur Geltung bringen - und ihre schlechteren sozusagen in Schach halten."
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