Rennsport-Chef Haug bleibt cool

Ferraris Fabelzeiten bei den Tests in Barcelona und Fiorano schockten fast die gesamte Formel-1-Konkurrenz. Nur Norbert Haug wird nicht nervös. "Unser Auto wird auch schneller sein. In Sachen Motor bleiben wir der Maßstab", tönt der Mercedes-Sportchef. Doch hinter der Leistungsfähigkeit des neuen Aggregats steht ein Fragezeichen.
Michael Schumachers Fabelrekord von Fiorano, den er im neuen F2001 erzielte und Rubens Barrichellos Rundenrekord bei den Testfahrten in Barcelona, aufgestellt im Vorjahresauto, ließen die Formel 1-Szene aufhorchen.
Doch die Erzrivalen von McLaren-Mercedes machen diese Zeiten offensichtlich nicht im Geringsten nervös. "Unser Auto wird auch schneller sein", kündigt Mercedes-Sportchef Norbert Haug in der "Bild am Sonntag" an.
Kampfansage an Ferrari
Der Hauptgrund für diese Leistungssteigerung ist für den Schwaben das neue Mercedes-Triebwerk mit der Bezeichnung "FO 110K", das bereits 25.000 Kilometer auf dem Prüfstand und 10.000 Kilometer auf der Teststrecke problemlos absolviert hat.
"In Sachen Motor bleiben wir der Maßstab. Ich glaube nicht, dass es einen kleineren und leichteren Motor gibt. Vielleicht auch keinen stärkeren", tönt Haug und schiebt gleich noch eine Kampfansage an die Italiener nach: "Wir wollen die WM zurück".
Fragezeichen hinter dem Motor
Auch aus den Fehlern der vorigen Saison haben die Stuttgarter ihre Lehren gezogen. "Drei Motorschäden haben Mika Häkkinen 2000 letztlich den Titel gekostet. Ich kann nichts versprechen, aber das soll nicht wieder passieren", so Haug.
Dennoch steht hinter dem neuen Aggregat des "Motorenpapstes" Mario Ilien ein Fragezeichen. Da der Werkstoff Beryllium, den Ilien in seinen bishierigen Triebwerken in sehr großem Umfang verwendet hat, jetzt verboten ist, musste der Schweizer einen komplett neuen Motor entwickeln.
Das könnte bedeuten: Das neue Aggregat ist größer und schwerer als das Vorjahresmodell.
"Den Rest machen die Reifen"
Schumachers Rekordrunden schreibt Haug in erster Linie den neuen Bridgestone-Reifen zu. "Ich glaube nicht, dass ein Top-Team den Stein der Weisen gefunden hat. Verbesserungen am Auto machen vielleicht ein paar Zehntelsekunden aus, der Rest sind die Reifen. Bridgestone scheint wirklich gute Arbeit geleistet zu haben", macht der Schwabe klar.
Gleichzeitig wies er daraufhin, das Ferrari und Mercedes das gleiche Reifenmaterial zur Verfügung stehe.
Das neue Auto wird am Mittwoch präsentiert
Auch für den späten Präsentationstermin des neuen Mclaren-Boliden mit der Typenbezeichnung MP4/16 hat der 48-Jährige eine Begründung parat. Während Schumachers F2001 bereits vor einer Woche vorgestellt wurde, wird der neue Silberpfeil für Mika Häkkinen und David Coulthard erst am kommenden Mittwoch in Valencia enthüllt.
"Wir wollten bis zum letzten Tag im Windkanal bleiben", erklärt Haug den späten Vorstellungstermin, "Wir haben alle relevanten Teile bereits auf der Teststrecke erprobt. Wir sind bestens gerüstet." Nach der Präsentation bleiben die Silbernen neun Tage zum Testen in Valencia.
McLaren musste Produktion stoppen
Ein Problem verschweigt der Schwabe. Denn McLarens Technischer Direktor Adrian Newey ließ vor einiger Zeit die Produktion des neuen Boliden stoppen, um die Aerodynamik noch einmal komplett zu überarbeiten.
Doch wer von den beiden Erzrivalen Ferrari und McLaren seine Hausaufgaben besser gemacht hat, wird erst beim ersten Formel-1-Rennen in Melbourne, das am 4. März über die Bühne geht, festehen.
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