Mittwoch, 31. Jänner 2001

Verona-Fans wollen keine farbigen Spieler

Der italienische Fußball wird erneut von einem Rassismus-Skandal erschüttert. Erstligist Hellas Verona beugt sich offensichtlich dem Willen der großen Anzahl von Rechtsradikalen unter seinen Fans und verzichtet auf die Verpflichtung von farbigen Spielern.

"Einen Farbigen kann ich wegen dieser Fans nicht holen", erklärte Veronas Präsident Giambattista Pastorello in einem Fernseh-Interview, als er auf die mögliche Verpflichtung des farbigen Fußballers Patrick Mboma vom AC Parma angesprochen wurde.

Rückwärtsschritt bei Bekämpfung von Rassismus

Pastorellos Aussagen lösten in Italien heftige Kritik aus. "Wenn dies stimmt, schließen wir das Stadion", drohte Veronas Bürgermeisterin Michela Sironi Mariotti.
Italiens Sportministerin Giovanna Melandri drückte in einem Brief an den Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitee Italiens (CONI), Gianni Petrucci, "ihre Missbilligung und Bestürzung aus". Pastorello schade den Bemühungen der Regierung und des Fußball-Verbands (Figc), den Rassismus in den Stadien zu bekämpfen.

Schadensbegrenzung bei Verona

CONI-Chef Petrucci, der zugleich als kommissarischer Präsident den italienischen Fußball-Verband leitet, versicherte, dass der Verband "in seinem Kampf gegen den Rassismus unbeirrt fortfahren werde".
Hellas Verona versucht unterdessen den Schaden zu begrenzen. Der Präsident sei missverstanden worden, teilte der Club mit. Pastorello selbst bestritt die Aussagen.

Pastorello verurteilt Rassismus

Allerdings veröffentlichte die "Gazzetta dello Sport" am Dienstag den Wortlaut des von dem TV-Sender aufgezeichneten Interviews mit Pastorello, der die Kapitulation des Präsidenten vor den eigenen rechtsradikalen Fans bestätigt.

Rückendeckung bekam Pastorello lediglich vom farbigen AC Parma-Spieler Lilian Thuram. "Pastorello ist nach dem Spiel in Verona zu mir gekommen und hat sich für die rassistischen Sprechchöre der Verona-Fans entschuldigt", sagte der französische Weltmeister. Pastorello habe jeglichen Rassismus verurteilt, bestätigte Thuram.

Dekret sieht Spielabbruch vor

In Verona war es in den vergangenen Monaten genauso wie in vielen anderen Stadien Italiens wiederholt zu rassistischen Sprechchören gegen farbige Akteure gekommen.
Die italienische Regierung hatte auf Grund des zunehmenden Rassismus in den Stadien ein Dekret verabschiedet, dass einen Spielabbruch vorsieht, sobald auf den Rängen Spruchbänder mit rassistischen Parolen gezeigt werden.

Die drastische Maßnahme wurde bislang jedoch noch nie angewandt.

31.1.2001 10:50