Eintracht Frankfurt feuert Trainer Magath

Eintracht Frankfurt hat nach sechs Niederlagen und dem dramatischen Absturz mit 20 Punkten auf einen Abstiegsplatz die Reißleine gezogen. Nur 17 Stunden nach dem katastrophalen 1:5 gegen den 1. FC Köln beschloss der Aufsichtsrat am Montag auf Vorschlag des Vorstandes einstimmig und mit sofortiger Wirkung die Freistellung von Trainer Felix Magath.
Mit Co-Trainer Manfred Kaltz soll in den nächsten Tagen über eine künftige Zusammenarbeit gesprochen werden. Bereits am Nachmittag übernahm Sportdirektor Rolf Dohmen die Leitung des Eintracht-Trainings und wird das Team auch am Sonntag beim Auswärtsspiel in Rostock betreuen.
SPEKULATION ÜBER NACHFOLGER
Als möglicher neuer Chefcoach wird bei den Hessen der ehemalige Karlruher und Stuttgarter Trainer Winfried Schäfer gehandelt. Der 51-Jährige, zuletzt bei Tennis Borussia Berlin unter Vertrag, weilte am Samstag im Waldstadion und war Augenzeuge der Vorführung für die Eintracht.
Die Mannschaft reagierte überrascht und selbstkritisch auf die Magath-Entlassung. “Wir Spieler haben unseren Teil dazu beigetragen. Aber es ist völliger Quatsch, dass wir gegen den Trainer gespielt haben”, sagte Kapitän Torsten Kracht. Horst Heldt meinte: “Eine mutige Entscheidung des Vorstandes. Ob sie richtig oder falsch, vermag ich nicht zu beurteilen.” Torwart Dirk Heinen erklärte: “Ich weiß nicht, ob die Entscheidung so gut war. Felix Magath hat mich vor einem Jahr wieder zum Leben erweckt. Wir müssen uns an die eigene Nase packen.”
GESPRÄCH IN DER NACHT
Ausschlaggebend für die Trennung war ein Gespräch noch in der Nacht zum Montag zwischen dem 47-jährigen glücklosen Coach, dem AG-Vorstandsvorsitzenden Steven Jedlicki, dem Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhard Gödel und dem Aufsichtsratsmitglied Matthew Wheeler, dem Chairman von Frankfurts strategischem Partner Octagon.
EINTRACHT-FÜHRUNG
Dabei soll Magath, der erst am 27. Dezember 1999 bei den Hessen einen Drei-Jahres-Vertrag bis 2003 unterschrieben hatte, “keine Wege aus der Krise aufgezeigt, aber eine absolute Machtfülle bis hin zu einem möglichen Bundesliga-Abstieg” gefordert haben. In seinem Arbeits-Vertrag ist angeblich eine Klausel enthalten, die eine fixe Summe als Abfindung festlegt. Magath war auch schon bei seinen vorherigen Bundesliga-Arbeitgebern Hamburger SV, 1. FC Nürnberg und Werder Bremen jeweils vorzeitig entlassen worden.
Trotzdem kommt die Trennung zu diesem Zeitpunkt überraschend. Noch in der Winterpause hatte Octagon mit seinem Geschäftsführer Jedlicki an der Spitze, Mittel frei gemacht, um die Mannschaft nach den Wünschen Magaths mit rund 8,5 Millionen Mark für vier neue Spieler zu verstärken. Jedlicki stärkte sogar dem Trainer noch vor dem Köln-Spiel den Rücken: “Fest steht, dass wir auch in Zukunft mit Frelix Magath planen...”.
MASSIVER DRUCK
Unter dem Eindruck der Art und Weise, wie sich die Mannschaft aber im ersten Spiel nach der Winterpause in die Köln-Niederlage ergeben hatte, kam massiver Druck auf den Trainer und den AG Vorstand auch aus dem Umfeld des mit 50,1 Prozent an der AG beteiligten Vereins Eintracht Frankfurt. Dessen Präsident Peter Fischer, der per Amtsbefugnis auch im Aufsichtsrat der AG sitzt, war einer der ersten, der Magath massiv kritisiert hatte.
Vor rund einem Jahr hatte Magath in ähnlicher dramatischer Tabellen-Situation wie zur Zeit die Nachfolge von Jörg Berger angetreten, der bis zur Winterpause mit der Mannschaft lediglich elf Punkte gesammelt hatte. Mit 20 Zählern steht die Eintracht derzeit auf dem 16. Tabellenrang und wäre damit zum Saisonende abstiegen.
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