Montag, 29. Jänner 2001

N.Y.Giants mit 34:7 deklassiert

Völlig verdient haben die Baltimore Ravens das 35.Superbowl-Finale gegen die New York Giants gewonnen. Mit 34:7 fiel der Triumph auch deutlicher als erwartet aus.

Die Baltimore Ravens haben in der Nacht zum Montag das XXXV. Endspiel um die Superbowl der National Football League (NFL) gewonnen. Das Team von Headcoach Brian Billick besiegte vor 75.000 Zuschauern im “Raymond James Stadium” von Tampa die New York Giants souverän mit 34:7. Der neue Champion imponierte vor allem mit seiner unüberwindlichen Defensive. Die Vorentscheidung war bereits in der ersten Halbzeit gefallen, als Baltimore durch einen Touchdown und ein Field Goal mit 10:0 in Führung gegangen war.

Die seit 1996 in der NFL spielenden Ravens sicherten sich erstmals die begehrte “Vince Lombardi Trophy”, wobei jeder Spieler neben dem 5000 Dollar wertvollen Champions-Ring auch noch 58.000 Dollar als Siegprämie erhielt. Die Giants hatten ihre bisherigen beiden Endspiele 1987 und 1991 gewonnen. Die Verlierer dürfen sich mit jeweils 34.500 Dollar trösten.

Die turbulenteste und möglicherweise spielentscheidende Minute dieser doch sehr einseitigen Partie ereignete sich im dritten Viertel, als ein wilder Schlagabtausch zwischen den Ravens und den Giants statt fand: Bei noch 3:49 zu spielenden Minuten fing Ravens-Verteidiger Duane Starkes einen Pass von New Yorks Quarterback Kerry Collins ab und trug ihn 49 Yards zurück in die Giants-Endzone. 17:0 führten die Ravens scheinbar klar. Im Gegenzug jedoch lief Giants-Kick-Off-Returner Ron Dixon über 97 Yards in Baltimore-Endzone und mit einem Mal waren die Giants-Fans unter den 71.921 Zuschauer hellwach. 17:7, jeder im weiten Rund glaubte nun, das Blatt würde sich nun zu Gunsten des Team aus dem “Big Apple” wenden. Ein trügerischer Hoffnungsschimmer, denn schon im nächsten Spielzug, einem 84 Yards Kick-Off-Return-Touchdown von Jermaine Lewis (Baltimore), war den New Yorkern der Wind aus den Segeln genommen worden. 24:7. Drei Touchdowns in dreißig Sekunden, das sieht man nicht alle Tage.

Nach diesem kurzen Aufbegehren der New York Giants beherrschten die Baltimore Ravens ihren Gegner wieder klar, bauten die Führung sogar noch aus und feierten einen verdienten Sieg.

Triumphierend aus der Hölle zurückgekehrt

“Wenn man dies alles zu einem Drehbuch umgeschrieben hätte, würde es niemand glauben”, sagte anschließend Ray Lewis. “Gott wird dich niemals durch die Hölle schicken, ohne dich eines Tages triumphieren zu lassen.” Ray Lewis deutete mit diesen Worten sein eigenes Schicksal an. Im letzten Jahr noch war er bei einer Super-Bowl-Party in eine tödliche Messerstecherei verwickelt und saß anschließend als Tatverdächtiger für einige Monate im Gefängnis. Aus Mangel an Beweisen war er freigesprochen worden und feierte in dieser Saison eine triumphale Rückkehr auf dem Spielfeld. In Tampa wurde der Middle Linebacker nun sogar als Most Valuable Player (MVP) ausgezeichnet. Zweifellos stellvertretend für hervorragende Abwehr der Ravens.

Die Defense aus Baltimore hat nicht nur während der regulären Saison sämtliche Rekorde gebrochen, sondern auch in den vier Play-Off-Spielen ihre Gegner zusammen gerade mal 23 Punkte gestattet. Fachleute sprechen schon von der besten Verteidigung, die es jemals in der Geschichte des American Footballs gegeben hat. “Wenn mir jemand erzählen will, das wäre nicht so, werde ich mich mit ihm bis an mein Lebensende darüber streiten”, duldet auch Ravens-Coach Brian Billick diesbezüglich auch keinerlei Widerspruch.

Das 35. Super Bowl-Finale hatte jedoch auch einen anderen Helden zu feiern. Ravens-Spielmacher Trent Dilfer kehrte im Finale an den Ort seiner größten Schmach zurück, um anschließend auf Schultern vom Spielfeld getragen zu werden. In Tampa spielte Dilfer mit den Buccaneers jahrelang vergeblich um den Einzug in das prestigeträchtige Finale, ehe er mit der Begründung aus der Stadt gejagt wurde, er hätte nicht das Zeug dazu, jemals ein Team in den Super Bowl zu führen. “Wenn man sich stets seinem Schicksal stellt, wird man eines Tages für diesen Kampf belohnt”, strafte Dilfer alle Kritiker Lügen und streckte die Vince-Lombardi-Trophäe, die der Sieger eines Superbowls erhält, in den mit Konfettiregen durchtränkten Himmel.

29.1.2001 15:53