Powell plant keinen plötzlichen US-Abzug vom Balkan

Serbien bereitet nach den Worten von Ministerpräsident Zoran Djindjic eine Anklage gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor. Zurzeit werde an der Einrichtung von neuen Gerichten und der Berufung eines Chefanklägers gearbeitet, so Djindjic.
Diese Phase werde voraussichtlich in zehn Tagen bis zwei Wochen abgeschlossen sein, sagte Djindjic bei einem Treffen mit dem neuen US-Außenminister Colin Powell in Washington. Das Gespräch mit Powell beschrieb er als erfolgreich. Nach seinen Angaben ging es dabei auch insbesondere um die Lage im Kosovo und um Montenegro, das Unabhängigkeit von Serbien anstrebt.
Auch der montenegrinische Präsident Milo Djukanovic hält sich derzeit in Washington auf. Ein Treffen mit ihm lehnte Powell aber ab, wie die "New York Times" berichtete. Dagegen kam der Minister nach seinem Gespräch mit Djindjic mit den führenden Kosovo-Albanern Hashim Thaci, Ibrahim Rugova und Vertan Surroi zusammen. Bereits am Donnerstag hatte Powell in der US- Hauptstadt getrennte Gespräche mit dem rumänischen Außenminister Mircea Geoana und dem mazedonischen Präsidenten Boris Trajkovski geführt. Diese hatten die Besorgnis ausgedrückt, dass der neue US-Präsident Bush entsprechend seinen Wahlkampf-Ankündigungen die US-Beteiligung an den Friedenstruppen in der Balkan-Region enden könnte. Powell versicherte jedoch, es werde keinen plötzlichen amerikanischen Rückzug vom Balkan geben. Vor etwaigen Veränderungen würden die Verbündeten konsultiert.
Kostunica soll mit UNO-Kriegsverbrechertribunal zusammenarbeiten
Eine Delegation von US-Kongressabgeordneten hat den jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica am Freitag dazu gedrängt, mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal zusammenzuarbeiten und seinen Vorgänger Slobodan Milosevic auszuliefern. Bei dem Treffen wurden zudem künftige demokratische Reformen in Jugoslawien erörtert, wie Kostunicas Büro in einer Erklärung mitteilte. Die US-Delegation wurde von dem Demokraten Joseph Lieberman und dem Republikaner John McCain geleitet. Bereits Ende Dezember hatte eine US-Delegation in Belgrad die Auslieferung Milosevics nach Den Haag gefordert.
In der geteilten Stadt Kosovska Mitrovica ist am Freitag nach drei Tagen gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Albanern und Soldaten der Friedenstruppe KFOR wieder Ruhe eingekehrt. Die Bewohner der Stadt in der südserbischen Provinz Kosovo befolgten offenbar einen Aufruf der UNO-Verwaltung im Rundfunk, Ruhe zu bewahren. Deutsche Panzer bewachten ein Verwaltungsgebäude der Friedenstruppe, während italienische Soldaten ein weiteres KFOR-Gebäude sicherten. An den vorangegangen Tagen hatten jugendliche Albaner immer wieder Friedenssoldaten mit Steinen und Brandsätzen beworfen. Die KFOR antwortete mit Plastikgeschossen und ließ Panzer auffahren. Die Proteste hatten sich am Tod eines 15-jährigen Kosovo-Albaners entzündet, der am Montag im serbischen Teil der Stadt getötet worden war. Djindjic hatte der UNO-Verwaltung im Kosovo (UNMIK) vorgeworfen, für die in den vergangenen Tagen verübte Gewalt mitverantwortlich zu sein.
