Nun ist sie eine "freie Bürgerin"

Die Witwe des 1980 verstorbenen jugoslawischen Staatschefs Marschall Josip Broz Tito, Jovanka Budisavljevic Broz, steht nicht mehr unter Hausarrest. Die Belgrader Tageszeitung "Blic" berichtete am Freitag unter Berufung auf einen Regierungsberater, dass die 77-Jährige nun eine "freie Bürgerin" sei.
Für sie würden "keine Bewegungsbeschränkungen oder sonstigen Verbote" mehr gelten. Immerhin solle sie - allerdings auf eigenen Wunsch - weiter bewacht werden.
Warum die Tito-Witwe nach dem Ableben ihres Mannes unter Hausarrest gestellt worden war, wurde nie publik. Ihr fast 21 Jahre währender Hausarrest scheint auch nie durch eine Verordnung festgelegt worden zu sein.
Jovanka Budisavljevic war 28 Jahre alt, als sie 1952 den damals 60-jährigen jugoslawischen Präsidenten heiratete. In den späten siebziger Jahren war Jovanka aus der Öffentlichkeit völlig verschwunden. Damals hieß es, dass sie zu große Machtwünsche an den Tag gelegt hätte. Drei Monate nach dem Tod des Gemahls musste Jovanka die Residenz, in der sie mit ihm gelebt hatte, verlassen. Der Umzug erfolgte bei Nacht durch einen Nebeneingang.
Titos Nachfolger wollten Witwe mundtot machen
Titos Nachfolger, die dem Verstorbenen ewige Treue mit der Parole "Auch nach Tito - Tito" schworen, wollten seine Witwe, eine gelernte Krankenschwester, mundtot machen. Ein neues Zuhause bekam Jovanka Broz in einer kleineren Villa unweit der Präsidentenresidenz. Mit der Außenwelt konnte sie keinen Kontakt unterhalten. Sogar die Privatpost wurde geöffnet. Auch die Termine für Besuche an Titos Grab wurden streng vorgeschrieben.
Der jugoslawische Innenminister Zoran Zivkovic erklärte nach Amtsantritt der neuen Regierung im Oktober, dass er über den Hausarrest von Jovanka Broz überrascht sei. Merkwürdig schien ihm auch die Tatsache zu sein, dass die Witwe des Ex-Präsidenten ihre Rente allmonatlich von einem Boten der Bundesregierung und nicht wie alle anderen Pensionisten per Post oder Bankanweisung zugestellt bekommt. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Nachfolger Titos seiner Witwe keine Personaldokumente ausstellen wollten.
Jovanka Broz hatte in den letzten zehn Jahren zwei Mal mit Medien gesprochen. Telefonischen Kontakt mit einigen früheren Freunden konnte sie nach Angaben aus eingeweihten Kreisen auch in den letzten Jahren nur in der Nacht unterhalten, als die Hausbediensteten abwesend waren.
