Donnerstag, 1. Februar 2001

"Embargo muss beendet werden"

Nach den Urteilen im Lockerbie-Prozess von Kamp Zeist (Niederlande) haben arabische Politiker und Tageszeitungen eine sofortige Aufhebung der gegen Libyen verhängten UNO-Sanktionen gefordert: Das Embargo müsse beendet werden, sagte der ägyptische Außenminister Amr Mussa.

Die halbamtliche ägyptische Tageszeitung "Al Ahram" schrieb am Donnerstag, dass die Haltung der USA und Großbritanniens eine klare Herausforderung der internationalen Gemeinschaft sei, die die Sanktionen als nicht länger notwendig erachte.

Nach Informationen der überregionalen arabischen Tageszeitung "Al Hayat" will Libyen die geforderte Zahlung von Kompensation für die Hinterbliebenen der 270 Opfer von der Aufnahme eines Berufungsverfahren gegen den 48 Jahre alten Abdel Bassit Ali Mekrahi abhängig machen. Der zu einer lebenslangen Haftstrafe Verurteilte kann innerhalb von 14 Tagen Berufung einlegen. Ein Korrespondent des libyschen Fernsehens hatte bereits unmittelbar nach der Urteilsverkündung gesagt, dass Mekrahi in die Revision gehe und die Anwälte neue Beweismittel vorlegen wollten.

Der libysche Außenminister Abderrahman Mohammed Shalgam sagte dem britischen Rundfunksender BBC, dass Libyen "niemals" die Verantwortung für den Lockerbie-Anschlag vom Dezember 1988 übernehmen werde. Die libysche Regierung und die beiden Angeklagten hatten in dem Indizienprozess bisher jegliche Tatbeteiligung bestritten.

Auch die Tageszeitungen in den arabischen Golfstaaten verlangten ein Ende der Sanktionen. Aus Sicht der in den Vereinigten Arabischen Emiraten erscheinenden "Al Bajan" sind "Millionen unschuldiger Menschen für ein Verbrechen bestraft worden, das sie nicht verübt haben". Andere Zeitungen bezeichneten die mit einer Aufhebung des Embargos verbundenen Forderungen der US-Regierung und Großbritanniens als "Erpressung".

1.2.2001 14:58