ÖGB ruft Donnerstag zu Arbeitsunterbrechungen auf

Der ÖGB ruft für kommenden Donnerstag zu Arbeitsunterbrechungen in ganz Österreich auf.
In einem Aktionstag soll es quer durch alle Branchen Betriebsversammlungen und Informationsveranstaltungen aus Protest gegen die Regierungspolitik geben. Im ÖGB selbst zeigte man sich eher zurückhaltend. Es sei noch nicht sicher, ob es wirklich überall zu Aktionen kommen werde, hieß es.
In einer österreichischen Tageszeitung hieß es, das Fass zum Überlaufen habe die drohende Zerschlagung der Selbstverwaltung der Sozialversicherung gebracht. In einer frühmorgendlichen Sitzung am Montag hätten Vertreter aller Teilgewerkschaften die Mobilisierung am kommenden Donnerstag vereinbart. Die Durchführung sei den einzelnen Fachgewerkschaften überlassen.
"Ich kann nicht ausschließen, dass die Zeitungen später erscheinen werden", sagt Gerhard Hennerbichler, Zentralsekretär der Gewerkschaft Druck und Papier. Wie viele Arbeitnehmer mitmachen werden, kann und will Hennerbichler nicht schätzen. "Aber der Unmut wird von Tag zu Tag größer. Gerade jetzt, wo der Abcasher-Schmäh dieser Regierung in den Geldtaschen spürbar wird." Mit mehr als 100.000, die im Juni gegen Pensionsreform und Sparpaket protestierten, sei schon zu rechnen.
Allein die Betriebe der Österreichischen Industrie Holding (ÖIAG) beschäftigen rund 100.000 Mitarbeiter. Bei VA Tech, VA Stahl, Austria Tabak, AUA, Telekom Austria und Post kommt das Privatisierungstempo der Regierung verschärfend hinzu. In der Voest werden am Donnerstag von acht bis zehn Uhr Betriebsversammlungen abgehalten.
Vom Streik will keiner der Gewerkschaftschefs reden, ausgenommen in der Telekom Austria (TA), wo der Abbau von 5000 Jobs für Zores sorgt. "Es ist unsere Pflicht, den Menschen zu sagen, was auf sie zukommt und dass direkte Eingriffe in die demokratisch gewählte Selbstverwaltung geplant sind", begründet der Chef der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft, Johann Driemer. Er wird die Bauarbeiter flächendeckend informieren, soweit dies jetzt im Winter möglich ist.
"Die Menschen sollen wissen, wie problematisch es ist, wenn es der Selbstverwaltung an den Kragen geht", betont Wilhelm Beck, Chef der Chemiearbeiter. Er rechnet fix, dass es auch in den Papierfabriken zu informationsbedingten Arbeitsunterbrechungen kommt. Auch im Zellstoffwerk Pöls von ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel sind Info-Aktionen geplant.
Die Eisenbahner werden am Donnerstag mitmachen, die Züge werden aber weiterfahren. "Noch haben wir keinen Grund, richtig zornig zu sein. Wenn die Regierung aber an ihrer blödsinnigen Infrastrukturpolitik festhält, dann ist es in ein bis zwei Wochen so weit", poltert ÖBB-Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl.
Eher zögerlich sind die Postler. Sie werden ihre Betriebsräte von Postamt zu Postamt wandern lassen.
