Anklage wegen Menschenrechtsverletzungen

Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet (85) ist am Montag wegen Verbrechen unter der Militärdiktatur (1973-1990) angeklagt worden.
Richter Juan Guzman Tapia ordnete die erneute Verhaftung Pinochets an, damit ihm wegen Totschlages, Folter und Menschenraub in seiner Amtszeit der Prozess gemacht werden kann.
Angehörige von Diktaturopfern im Justizgebäude begrüßten die Entscheidung mit Jubel und Freudentränen. "Das ist eine wunderbare Entscheidung und das Ergebnis jahrlanger Arbeit", sagte die KP-Vorsitzende Gladys Marin. Sie hatte vor drei Jahren die erste Strafanzeige wegen der Ermordung ihres Mannes gegen Pinochet erstattet.
Mord in 57 Fällen
Der Untersuchungsrichter Guzman will den früheren Machthaber wegen Anstiftung und Beihilfe zu Mord in 57 Fällen und zu Entführung in 18 Fällen durch die so genannte Karawane des Todes 1973 vor Gericht bringen.
Der auf Menschenrechte spezialisierte Anwalt Hugo Gutierrez gab die Anordnung des Richters in der Hauptstadt Santiago bekannt. Guzman ermittelt seit drei Jahren gegen Pinochet, dessen Anwälte voraussichtlich Einspruch gegen den Haftbefehl einlegen werden. Die Verteidigung hatte für den Fall einer Anklage Beschwerde bei Gericht angekündigt.
Keine Einstellung wegen Verhandlungsunfähigkeit
Eine Entscheidung über eine mögliche Einstellung des Verfahrens wegen Verhandlungsunfähigkeit Pinochets wurde zunächst nicht bekannt. Dem Greis war nach psychologischen und neurologischen Tests eine mittelschwere Demenz, dass heißt ein bereits fortgeschrittener geistiger Verfall, attestiert worden. Guzman hatte den früheren Machthaber nach einem Verhör am Dienstag als "außerordentlich normal" bezeichnet.
Der inzwischen 85 Jahre alte frühere Heeresgeneral Piniochet hielt sich am Montag auf seinem Landsitz rund 130 Kilomter von Santiago auf. Er war am Samstag aus dem Militärkrankenhaus der Hauptstadt entlassen worden, wo er am Freitag wegen eines angeblich drohenden Schlaganfalles eingeliefert worden war.
Guzman hatte seine Verhaftung schon einmal angeordnet und zwar am 1. Dezember. Der Oberste Gerichtshof verhinderte die Verhaftung und wies Guzman an, Pinochet erst zu verhören und dafür zu sorgen, dass er auf seine Prozesstauglichkeit untersucht wird. Dies steht jedem Chilenen zu, der über 70 Jahre alt ist. Nach psychologischen Untersuchungen Mitte Jänner wurde Pinochet am vergangenen Dienstag von Guzman verhört.
