"BSE"-SPEZIAL

·US-Tiermehl
Hersteller kaufte gleich die Herde
·Fischler
Massenschlachtungen letzter Ausweg
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Die BSE-Krise zieht immer weitere Kreise: Innerhalb kürzester Zeit sind mehr als eine Million Tonnen Rindfleisch vom kostbaren Lebensmittel zum unerwünschten Abfall geworden.
Ein Viertel des Fleisches ist derzeit nicht verkäuflich. Die Politik muss nun Wege finden, um diesen Fleischberg, den keiner essen will, zu entsorgen. Dabei war damals, als die heute unverkäuflichen Rinder geboren wurden, der Bedarf gegeben. Produktion und Nachfrage waren im Gleichgewicht. Erst vor kurzem hat die EU ihre nach der BSE-Krise von 1996 angefüllten Fleischlager geräumt.
Eine Million Tonnen Fleisch kann die EU einlagern, doch zeigen alle Prognosen, dass auch in Zukunft die Nachfrage nach Rindfleisch nicht auf das heutige Niveau zurückkehrt. Das eingelagerte Fleisch dürfte daher unverkäuflich bleiben und müsste nach einigen Jahren im Lager erst wieder vernichtet werden. Daher, so die EU-Kommission, sei es sinnvoller und billiger das Fleisch gleich zu vernichten. Das würde 2.590 Euro bzw. 35.639 S/t kosten, während mit Lagerkosten von 3.800 Euro/t zu rechnen sei.
Die Vernichtung von Rindfleisch ist im Moment nicht Ausdruck einer fehlgeleiteten Förderung der Produktion sondern eine Reaktion auf den Einbruch im Vertrauen der Verbraucher. Da Vernichtung aber keine langfristige Option sein kann, muss für die Zukunft die EU-Agrarpolitik die Produktion drosseln, betonte Agrarkommissar Franz Fischler am Montag beim Agrarrat. Unter anderem sollte es eine "Kälberverarbeitungsprämie" geben.
Im Klartext heißt das, dass Bauern für die Schlachtung wenige Tage alter Kälber, deren Fleisch noch nicht konsumiert werden kann, eine Prämie erhalten. Diese wird in Anlehnung an den Massenmord an Kindern in Bethlehem vor zweitausend Jahren auch "Herodesprämie" genannt. Was manchem moralisch unsinnig erscheinen mag, ist ein Ausweg aus einer Zwickmühle. Denn ohne Kälber gibt es keine Milch. Die Kälber erst nach der Mast zu schlachten, dürfte aber zum Aufbau von Fleischbergen führen.
Vor nicht allzu langer Zeit wurde die EU noch kritisiert, weil ihre Agrarpolitik zum Entstehen von "Milchseen" und "Butterbergen" geführt hatte. Auch das war eine Verschwendung von Lebensmitteln und teuer war es außerdem. Daher ist wohl zu verstehen, dass die für das Budget zuständige grüne EU-Kommissarin Michaele Schreyer bei der Präsentation eines Nachtragshaushaltes zur Finanzierung der BSE-Maßnahmen eine Lanze für die Schlachtung von Kälbern brach.
Denn schon die erste Schätzung vom Dezember ergab, dass die EU 971 Mill. Euro (13,4 Mrd. S) für den Kampf gegen BSE ausgeben muss. Dieser Betrag wurde inzwischen im Budget aufgetrieben. Diese Woche veröffentlichte Fischler aber neue Schätzungen über die Kosten der BSE-Krise. Im teuersten Fall, ohne Fleischvernichtung, müssten heuer knapp 1,5 Mill. t Fleisch eingelagert werden, was dann Folgekosten über die nächsten Jahre von bis zu 5,7 Mrd. Euro mit sich bringen könnte. Das Geld, darf man nicht vergessen, muss so oder so von den Mitgliedsländern kommen, denn die EU als solche erhält ihr gesamtes Budget aus den Mitgliedsländern. Daher haben alle ein Interesse daran, rasch und effizient gegen zu steuern.
