Sonntag, 28. Jänner 2001

Fachärzte, Rechtsanwälte und Immobilienmakler top

Erstmals in Österreich erhob der Rechnungshof, was Angestellte, Beamte und Unternehmer kassieren. FORMAT veröffentlicht nun exklusiv die Ergebnisse dieser Studie.

In Schweden kann jeder, den es interessiert, nachsehen, was Astrid Lindgren jährlich mit ihren Kinderromanen verdient. Auch das Gehalt der lieben Nachbarn ist leicht zu eruieren – alle zwei Jahre erscheinen in Schweden dicke Wälzer, in denen alle Einkommen vom Nordmeerfischer bis zum Ikea-Chef veröffentlicht werden. In Österreich war ein derartiger Einkommensglasnost bisher undenkbar.

Doch seit kurzem ist auch hierzulande ein – kleines – Stück schwedischer Transparenz vorhanden. Zu danken ist das dem Rechnungshof der Republik, der über ein Jahr lang und mit Hilfe Dutzender Beamter erhoben hat, wer was verdient in Österreich. Den Auftrag dazu hat ihm der Nationalrat erteilt, um eine Vergleichsgrundlage dafür zu bekommen, was einerseits Politiker sowie staatsnahe Manager und andererseits jene Österreicher verdienen, die ihr Geld in der freien Wirtschaftswelt erarbeiten müssen.

Das Ergebnis der mühseligen Erhebungen der Beamten liegt nun vor und beantwortet zumindestens teilweise jene Frage, die die meisten Österreicher als höchst indiskret empfinden: die nach der Höhe der monatlichen Bezüge. In dem noch geheimen Dokument wird nun erstmals umfassend aufgelistet, wie hoch die Einkommen der verschiedenen Berufsgruppen wirklich sind – von Ärzten über leitende Angestellte bis zu Hilfsarbeitern.

FORMAT veröffentlicht jetzt exklusiv die wichtigsten Ergebnisse aus dem 384 Seiten dicken Datenband, der in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Zentralamt entstand und vor allem auf den Daten von rund 5,6 Millionen Steuererklärungen beruht: Wer gehört zu den Spitzenverdienern, und wer steht trotz Arbeit am Rande der Armutsgrenze? Wie hoch ist der Einkommensabstand zwischen Männern und Frauen, und wem gelingt es sogar, seine hohen Gagen möglichst ungeschmälert in die Pension zu retten?

Klub der Millionäre
In der ersten Reihe der Spitzenverdiener stehen Ärzte mit eigener Praxis. Im Durchschnitt verdienen schon Praktiker jährlich 1,32 Millionen Schilling vor Steuern, und zwar nach Abzug aller Betriebsausgaben. Grund zur Zufriedenheit haben auch Rechtsanwälte. Diese liegen mit Jahreseinkünften von 1.649.291 Schilling hinter Fachärzten auf Platz zwei, gefolgt von Immobilienmaklern und Steuerberatern.

Weisser Kittel - schwarzes Öl
Mit gebührendem Respektabstand folgen in der Einkommensliga die ersten Angestellten – und auch bei den Gehaltsempfängern wirkt ein weißer Kittel Wunder: Männliche Mediziner in Krankenhäusern streifen im Schnitt 1.123.900 Schilling ein. Doch auch die Angestellten in der Mineralölwirtschaft können auf größerem Fuß leben: Schon
im Durchschnitt schrammt ein Mann mit 917.704 Schilling nur noch knapp am Status eines Einkommensmillionärs vorbei.

Ebenfalls gute Adressen für alle, die mehr als andere verdienen wollen, sind die Berufe Physiker, Mathematiker, Angestellte der Bergbauverwaltung sowie ein Job in der Papierindustrie, wo 757.380 Schilling am Jahresgehaltszettel stehen. Zum Vergleich: Im Gesamtdurchschnitt verdienen Angestellte im Jahr 391.832 Schilling, Selbständige 302.127 und Arbeiter 240.170 Schilling.

Mehr lesen Sie im aktuellen FORMAT (inkl. Gehaltstabellen) und unter www.news.at/format.

28.1.2001 07:30