FED soll Wirtschaft vor globaler Rezession retten

Konzernchefs und Finanzexperten aus aller Welt haben beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum (WEF) im schweizerischen Davos ihre Hoffnungen auf agressive Zinssenkungen der US-Notenbank FED zum Ausdruck gebracht. Diese sollen die Welt vor einer globalen Rezession bewahren.
Zweifel gab es hingegen an einer raschen Konjunkturerholung Japans, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Zinsen sind dort bereits bei Null und die öffentliche Verschuldung zu hoch für weitere Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft.
Stanley Fischer, stellvertretender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), sagte, das Wachstum der Weltwirtschaft könnte sich im laufenden Jahr von 4,2 auf rund 3,5 Prozent abschwächen.
Zinssenkung um 0,5 Prozent sollte Aufschwung bringen
Wenige Tage vor dem nächsten Offenmarkttreffen (FOMC) der FED am 30. und 31. Jänner zeigten sich die Firmenchefs, Finanz- und Wirtschaftsexperten aber zuversichtlich, dass diese zu weiteren Zinssenkungen bereit ist. Niedrigere Kreditzinsen zusammen mit den von der neuen US-Regierung geplanten Steuersenkungen sollten der US-Konjunktur ab Jahresmitte wieder auf die Beine helfen. "Eine weitere Senkung um einen halben Punkt wäre die beste Politik beim nächsten FOMC-Treffen", sagte der Ökonom und Nobelpreisgewinner von 1999, Robert Mundell.
Auch Frankreichs Finanzminister Laurent Fabius sieht weiteren Spielarum für US-Zinssenkungen. IWF-Direktor Fischer sagte, die FED könnte die Zinsen nötigenfalls noch um fünf Punkte senken, ohne dass dies die Inflation schüren würde. "Ich denke aber, dass das nicht nötig sein wird", so Fischer.
Das diesjährige Treffen der Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik in dem Schweizer Wintersportort steht im Schatten einer sich verlangsamenden globalen Konjunktur, nachdem sich das US-Wirtschaftswachstum in den vergangenen Monaten deutlich abgeschwächt hatte.
Experten: OPEC muss Anstieg des Rohölpreises verhindern
Die Tagungsteilnehmer forderten auch die Unterstützung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), damit ein starker Anstieg des Rohhölpreises wie im Vorjahr verhindert werden kann. Deutschlands Finanzminister Hans Eichel sagte, wenn sich der Ölpreis auf dem Niveau der vergangenen Wochen stabilisiere, wäre dies ein "großer Gewinn" für die Weltwirtschaft. "Ich bin mir sicher, die OPEC ist sich ihrer Verantwortung bewusst", so Eichel.
Die OPEC reagierte beruhigend. Saudiarabiens Ölminister Ali al-Naimi sagte, die OPEC werde in ihren Bemühungen fortfahren, den Ölpreis um 25 Dollar zu halten. Die OPEC, die die Förderung in diesem Monat um fünf Prozent verringert hat, um die Preise zu stabilisieren, strebt einen Rohölpreis zwischen 22 und 28 Dollar an.
Fischer: Welt weit entfernt von einer globalen Rezession
IWF-Direktor Fischer stimmte mit anderen Experten darin überein, dass momentan keine Rezession wie zuletzt in den frühen 80-er- und 90-er-Jahren drohe. "Wir sind noch weit weg von einer globalen Rezession", sagte er. Die europäischen Fundamentaldaten nante Fischer stark. Wegen der mäßigen Inflation bestehe Raum für Zinssenkungen in Folge einer sich abschwächenden Wirtschaft oder eines Anstiegs des Euro.
Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) hatten Spekulationen über eine Zinssenkung in der Eurozone als Folge von Zinsschritten in den USA gedämpft, die Erwartungen geringerer Preisrisken in Europa aber bekräftigt.
Politisches aus Davos

