Der Herminator im Interview

Hermann Maier, der beste Skifahrer der Welt, über seinen märchenhaften Aufstieg, den Wert des Reichseins und die Probleme, sich nach der Weltmeisterschaft noch einmal zu motivieren.
Zur Person:
Hermann Maier, 28, katapultierte sich erst vor vier Jahren aus dem Nichts an die Spitze der Skisportelite. 1998 wurde er Weltcup- und Doppelolympiasieger, 1999 Doppelweltmeister, 2000 Weltcupsieger. Bei der Ski-WM in St. Anton gilt er als Anwärter auf drei Goldmedaillen.
Format: Herr Maier, Ihrer Internet-Homepage entnehmen wir, daß Sie die „innere Ruhe“ als Ihre größte Stärke empfinden. Wie finden Sie die überhaupt noch in dem ganzen Rummel um Ihre Person?
Maier: Am besten, wenn ich abschalten kann. Entweder beim Trainieren auf dem Ergometer oder auch beim Spazierengehen nach einem Training oder Rennen.
Format: Man sagt, daß Siege in der obersten Liga des Leistungssports zum größten Teil im Kopf entschieden werden. Trainieren Sie Ihre mentale Stärke?
Maier: Nein, ich trainiere das nicht extra. Das Wichtigste ist, daß man körperlich in einem sehr guten Zustand ist, dann läuft es geistig auch besser. Das muß einfach zusammenstimmen. Ich glaube, die Kraft für die mentale Stärke holt man sich beim Training oder bei den Rennen – einfach durch gute Leistungen.
Format: Ihre Homepage zeigt auf der Startseite Ihren berühmten Sturz bei der Abfahrt von Nagano. War dieser Stern am Ende wichtiger für Ihre Entwicklung zum Superstar als die Goldmedaillen?
Maier: Das war natürlich enorm wichtig, speziell als Materialtest für den Helm. Da hat man gesehen, daß der ziemlich viel aushält. Spaß beiseite: Ich glaube, die Wirkung hat sich im Zusammenspiel mit den beiden Goldmedaillen danach ergeben. Da ist einer von den Toten auferstanden. Das war auch für mich der Reiz daran: Ich habe ehrlich gesagt nicht mehr damit gerechnet, nach so einem Sturz noch zwei Goldmedaillen zu gewinnen. Das war eigentlich mehr ein Wunder.
Format: Was geht einem bei so einem Megasturz durch den Kopf?
Maier: Ich hab’ mir eigentlich gedacht, es passiert eh nix, ich war schon öfter so schräg in der Luft, ich komm’ sicher wie-der auf die Ski. Und dann merkt man erst, was die Fliehkraft ausmacht – ich war mehr oder weniger verloren. Danach versuchst du bis zum letzten Moment, dich aufs Abrollen zu konzentrieren. Aber am Ende braucht man sicher Glück und einen großen Schutzengel.
Format: Auf der einen Seite der Teamgedanke. Auf der anderen ein Haufen von Einzelkämpfern. Ist das nicht ein Widerspruch?
Maier: Ich weiß nicht, wer den Skisport für einen Mannschaftssport hält.
Format: Zum Beispiel ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.
Maier: Wer Präsident eines Nationalteams ist, wird das natürlich immer sagen. Aber es ist definitiv ein Einzelsport. Das merkt man jetzt vor der WM: Jeder kämpft gegen jeden. Der Vorteil des Teams ist höchstens, daß man gemeinsam trainieren kann. Aber mir würde es auch nichts ausmachen, allein zu trainieren.
Format: Ihre Duelle mit der obersten Sportbehörde FIS sind Legende. Zuletzt wurden Sie von einem Rennen ausgeschlossen, weil Sie die Zeit für die Besichtigung nicht eingehalten haben. Provozieren Sie eigentlich gern?
Maier: Nein. Ich versuche nur, die Strecke ganz genau zu besichtigen, weil ich mich dann einfach sicherer fühle. In Nagano, bei meinem Sturz, war zum Beispiel das Tor beim Rennen um fünf Meter versetzt. Was aber in Wahrheit hinter meiner Disqualifikation steckt, ist etwas anderes: Die anderen Nationen versuchen, auf den Besten loszugehen. Das ist ganz normal. Wenn es mit sportlichen Mitteln nicht mehr geht, daß sie schneller sind, dann probieren sie es halt mit anderen Mitteln. Das ist in jedem Sport so.
Format: Angenommen, Sie machen drei Goldmedaillen. Dann sind Sie fünffacher Weltmeister, Doppelolympiasieger, zweifacher Weltcupgesamtsieger. Was motiviert Sie noch?
Maier: Das ist natürlich eine gute Frage: Was motiviert mich noch? Jetzt,
wo ich Kitzbühel gewonnen habe, war es heute in Garmisch schon schwieriger, daß man sich da noch einmal richtig hineinhaut. Wenn ich Kitzbühel nicht gewonnen hätte, dann wäre ich wahrscheinlich hier mit einem ganz anderen Elan am Start. Aber ich verlasse mich einmal auf die WM. Das ist sicher noch ein-mal ein Ziel. Und dann muß man schauen. Dann freu’ ich mich eigentlich schon aufs Frühjahr, auf den Sommer. Ich werde sicher heuer einmal mehr Urlaub machen als in den vergangenen Jahren. Und dann sieht man eh, was passiert.
Format: Der deutsche Ex-Weltmeister Markus Wasmeier traut Ihnen zu, daß Sie nach einem entsprechenden Erfolg bei der WM sagen: „Danke, das war’s. Ab sofort bin ich in der Karibik zu finden.“ Könnte er am Ende recht haben?
Maier: Könnte sein, könnte sein. Also, man sollte nichts ausschließen. Ich verlasse mich da auf mein inneres Gefühl.
Format: Und was sagt Ihr inneres Gefühl im Augenblick?
Maier: Im Augenblick ist die Weltmeisterschaft im Vordergrund. Danach wird’s natürlich schwierig. Wenn ein großer Stein fällt, dann lassen die Leistungen meistens auch sehr stark nach.
Format: Herr Maier, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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