Einstige Sturzpilotin ist große ÖSV-Damenhoffnung

Renate Götschl ist die große WM-Hoffnung im ÖSV-Damenteam. Die 25-jährige Steirerin ist Weltcupsiegerin, Titelverteidigerin in der Abfahrt und vor kurzem in London zur Winter-Weltsportlerin gewählt worden.
Sie befindet sich in Hochform und ist die einzige, die in St. Anton in allen fünf Disziplinen starten wird. Ihr Abfahrtstrainer Burkhard Schaffer traut ihr alles zu: "Sie hat das Raubtier in sich. Sie ist wie eine hungrige Löwin auf der Jagd. So etwas kann man nicht lernen!"
Mit 17 erster Weltcup-Sieg
Mit 17 Jahren preschte Götschl seinerzeit als Slalom-Siegerin in die Schlagzeilen. Es folgten weitere Erfolge, aber auch serienweise Ausfälle der Läuferin, die wie wohl keine Andere das Motto "alles oder nichts" befolgt. Die Wandlung von der sturzgefährdeten "Renate Ratlos", zur "Speed Queen" und Weltcupsiegerin hat seine Zeit gebraucht und das Wissen darum hat geholfen. Auch, um Erwartungen von Außen zu verdrängen.
"Selbst habe ich mir nie ein Zeitlimit gesetzt. Ich habe immer gewusst, dass ich Zeit brauche und die von manchen nicht bekommen werde. Das war mir immer klar", sagt Götschl mit einem Blick auf schwierige Zeiten zurück. "Aber da waren auch immer die Erfolge die mir gezeigt haben, dass ich auf dem richtigen Weg bin und wie ich weiter vorzugehen habe. Da kommt die Stabilität irgendwann von selbst."
Beste Allrounderin im Weltcup
Heute ist sie die beste Allrounderin im Weltcup, nur ein Sieg im Riesentorlauf fehlt "La Götschl", um zu Allzeit-Größen wie Petra Kronberger und Pernilla Wiberg aufzuschließen. Viele waren überrascht, dass Götschl nach ihrem Weltcup-Gesamstieg die Ski (von Blizzard zu Salomon) wechselte. Nach einer schwierigen Anlaufphase hat Renate aber die derzeit wohl besten Latten unter den Beinen.
"Nur wegen des Geldes hätte ich so etwas nie getan. Ich sah einfach die Chance, in allen vier Disziplinen gewinnen zu können. Und, dass das nicht auf Anhieb optimal laufen wird, war auch klar. Aber schon bei den Tests im Frühjahr war mit klar, dass es passt. Ich bin jetzt einfach stabiler, fahre ruhiger, alles geht ein bissl spielerischer."
Auch menschlich reifer geworden
Das gilt auch für das öffentliche Auftreten. Die zurückhaltende Renate ist lockerer geworden. "Ich bin sicher auch menschlich reifer geworden, umgänglicher, nicht mehr zurückhaltend wie früher", gesteht Götschl ein. "Aber ich habe auch weiterhin meine Macken und aufdrängen werde ich mich auch in Zukunft nicht. So bin ich eben." Sie hoffe nur, "dass ich so rüber komme, wie ich bin. Dem einen gefällt es, dem anderen nicht. Aber wichtig ist, dass ich immer ich bin. Und ich strebe sicher kein bestimmtes Image an."
Sprotgeschichte geschrieben
Als Weltsportlerin hat Götschl Sportgeschichte geschrieben. Es gibt mittlerweile auch ein Buch über sie, ein zweites "ist vorerst nicht in Sicht", so Götschl lachend. "Natürlich ist es schön, wenn man sich selbst lesen kann und jeder von uns strebt irgendwo an, Skigeschichte zu schreiben. Aber für die Selbstbestätigung brauche ich kein Buch über mich. Es ist nur schön, wenn es für andere Menschen anschaulicher gemacht wird, wie das alles gegangen ist."
WM-Start in fünf Disziplinen
Der WM-Start in allen fünf Disziplinen macht Götschl keine Sorgen, auch wenn zwei anstrengende Wochen vor ihr liegen. "Ich fahre ja das ganze Jahr, oft drei Rennen in einer Woche, also sehe ich kein Problem." Ob sie in St. Anton zum weiblichen Superstar werden kann, ist kein Thema, mit dem sie sich beschäftigt. "Möglich ist alles, es kann aber auch gar nichts dabei raus kommen. Wichtig ist, dass du es schnell abhakst. wenn du ein Rennen verhaut hast."
Team des Jahres 2011/201211:40
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