Zwei Tiroler, aber nur ein Ticket: Pranger gegen Matt als Slalom-Duell um Olympia

Nachtslalom in Schladming letzte Chance auf Turin Raich, Herbst und Schönfelder haben ihr Ticket fix

Nach dem Nachtslalom in Schladming heißt es für die Slalom-Läufer "Nichts geht mehr", denn in der Steiermark steht die letzte Olympia-Qualifikations-Chance auf dem Programm. Im ÖSV-Team sind drei Plätze (so gut wie) fix an Reinfried Herbst, Benjamin Raich und Rainer Schönfelder vergeben. Um den vierten und letzten duellieren sich im Schladminger Schweinwerferlicht zwei Stars aus Tirol, die befreundeten Manfred Pranger und Mario Matt.

Pranger war nach seinem Ausfall am Sonntag in Kitz am Boden zerstört, im Zielraum brach der Gschnitzer - 2005 umjubelter Sieger in Kitz und Schladming - in Tränen aus. Danach ging es mit dem Auto von einem zum nächsten Klassiker, doch auch da ging nicht allzu viel weiter. "Ich stand im Stau, brauchte mehr als drei Stunden nach Schladming. Da hat man viel Zeit zum Nachdenken", so Pranger, der in Kitz in der ersten Emotion gemeint hatte: "Olympia ist mir egal, in Schladming mache ich zwei Sicherheitsläufe."

Eine Nacht später klang der noch 27-Jährige (am Mittwoch wird Pranger 28) schon wieder ganz anders, Pranger zeigte wieder Zähne. "Ich bin nicht der erste Sportler, der so eine Phase durchmacht. So ist der Sport eben: ein Mal schön, ein Mal weniger schön. Ich werde auch in Schladming voll attackieren, versuche Spaß zu haben und locker zu fahren. Von einem Sicherheitslauf hat niemand etwas. Es ist meine letzte Olympiachance, ich will sie nützen."

Wenn Pranger an seinen Triumph auf der Planai vor einem Jahr denkt, scheint der Frust der vergangenen Monate kurz wie weggeblasen zu sein. "Ich habe an meinem Geburtstag hier gewonnen und 45.000 Menschen haben Happy Birthday für mich gesunden. So etwas vergisst man sein ganzes Leben lang nicht", erinnert sich Pranger,

"Habe einfach kein Glück"
Über allzu treues Pech muss sich auch Kollege und Kontrahent Matt beschweren, der Tiroler hat bisher in nur einem Saisonslalom (Auftakt in Beaver Creek) gepunktet. "Ich habe einfach kein Glück", analysierte der Flirscher, der 2001 in St. Anton Slalom-Weltmeister war. "Denn an der Form und am Material liegt es keinesfalls. Die Ski sind super und im Training fahre ich eine Bestzeit nach der anderen." Zum Thema Olympia merkte der 26-jährige Pferde-Liebhaber an: "Olympia interessiert mich nicht, ich möchte hier in Schladming nur zwei gute Läufe runterkriegen."

Dass es unmöglich ist, dass ein Läufer vom Kaliber eines Matt oder Pranger nicht zu Olympia "will", weiß auch ÖSV-Technik-Coach Gert Ehn. "Beide haben Olympia noch lange nicht abgeschrieben. Wenn das jemand sagt, will er nur etwas Druck von sich nehmen. Aber das sind Spitzensportler, die schon große Rennen gewonnen haben. Und Olympia ist eben nur alle vier Jahre. Dass sie es können, sehen wir im Training. Bis zum Starthaus versuchen wir alles, um sie ideal vorzubereiten. Aber auf der Piste müssen sie es dann selbst zeigen."

Im laufenden Slalom-Weltcup liegen Matt und Pranger unter "ferner liefen" getrennt durch lediglich drei Punkte auf den Plätzen 23 und 26. Neben dem Olympia-Out droht schön langsam auch ein prekärer Rückfall in der für die Startnummernvergabe maßgeblichen WCSL - vor allem im Slalom ein entscheidender Faktor. Pranger ist nach Kitz aus dem Top-7 geflogen und scheint nur noch auf Rang elf auf, Matt (derzeit 14.) steht kurz vor dem Fall aus den Top-15.

ÖSV-Team in Schladming:
Romed Baumann, Christoph Dreier, Kurt Engl, Reinfried Herbst, Alexander Koll, Martin Marinac, Mario Matt, Andreas Omminger, Manfred Pranger, Benjamin Raich, Rainer Schönfelder

(apa)