Zuschauerschwund und fehlende Typen: Ist die Vierschanzen-Tournee in der Krise?

Pointner: "Goldi der letzte Typ, den wir gehabt haben" Ahonen, Janda und Malysz sind keine Ticketseller

Immerhin noch 23.000 Zuschauer in Oberstdorf, nur noch 16.000 in Garmisch-Partenkirchen und am Tag vor dem Bergisel-Springen lediglich 6.000 im Vorverkauf abgesetzte Tickets. Und auch in Bischofshofen, wo es in den vergangenen Jahren stets besonders viele Goldberger-Fans hinverschlagen hatte, werden keine neuen Rekorde erwartet. Der große Hype der Sven-Hannawald- und Martin-Schmitt-Jahre ist ebenso vorbei, wie aus österreichischer Sicht die Goldi-Mania.

Die "Typen", also charismatische Sportler, die auch erfolgreich sind, fehlen dem Skisprungsport schon seit Jahren. Weder ein Janne Ahonen, ein Adam Malysz oder auch ein Jakub Janda, noch die meisten Japaner haben sich zu Ticketsellern entwickelt. Und bei der deutsch-österreichischen Tournee wirkt sich das Fehlen eines deutschsprachigen Zugpferds freilich noch stärker aus.

Kreischende Teenager, Transparente wie "Hanni, ich will ein Kind von Dir" und ausverkaufte Stadien innerhalb weniger Tage sind nicht mehr an der Tagesordnung. Und auch der TV-Vertrag mit dem Privatsender RTL geht 2007 zu Ende, die Programm-Macher hatten sich schon vor Saisonbeginn gute Leistungen der deutschen Springer gewünscht, was bisher nur in Maßen gelungen ist.

"Goldi war ein Aushängeschild"
"Goldi war eigentlich der letzte Typ, den wir gehabt haben. Er war ein Aushängeschild des Sports über unsere Grenzen hinaus. Allerdings muss man auch sagen, dass auch Schmitt und Hannawald keine Showmänner waren, der Erfolg hat sie zu dem gemacht", meint ÖSV-Chefcoach Alexander Pointner.

Das Potenzial dazu hätte wohl am ehesten Thomas Morgenstern. "Er wäre der Typ, aber da muss die Leistung stimmen. Ihn sieht man gerne gewinnen, er hat die passende Ausstrahlung." Grundsätzlich, so Pointner, sehe man nun die eingefleischten Fans an den Schanzen. "Natürlich springen wir lieber vor vollen Rängen, aber es gibt sehr viele Schulterklopfer."

In Bischofshofen hat man in den vergangenen Jahren besonders von den Fans von Andreas Goldberger profitiert. Doch der 32-jährige hat die Skibretter ja an den Nagel gehängt. Hinzukommt, dass schon eine Woche später in Bad Mitterndorf der nächste Höhepunkt auf heimischen Boden auf dem Programm steht. "Maßgebend wird sicher sein, wie die Österreicher und Deutschen in Innsbruck abschneiden", meinte dazu der Bischofshofener OK-Chef Karl Votocek am Dienstag gegenüber der APA.

Im Pongau kämpft man übrigens mit enormen Schneemassen. "Mit dem Schnee hätten wir zwei Schanzen komplett belegen können. Wir haben 70 cm geräumt, jetzt hat es wieder 20 cm drauf geschneit." Dank 50 bis 60 Freiwilligen und 14 Mann vom Bundesheer hat man die Lage aber im Griff. Dem Tournee-Finale steht vorerst nichts im Weg.

(apa)