Der Skandal um die Manipulation international bedeutender Zinssätze wird immer mehr zum globalen Kriminalfall. Nach Angaben des britische Staatssekretär Mark Hoban gegenüber dem Handelsblatt sind rund ein Dutzend Großbanken verwickelt. Die britische Großbank Barclays ist Auslöser der laufenden Ermittlungen gewesen.
In dem Skandal geht es um die Manipulation des britischen Zinssatzes Libor, zu dem in Großbritannien Banken anderen Instituten Geld leihen, und des europäischen Interbanken-Zinses Euribor (Euro InterBank Offered Rate). Beide Zinssätze sind aber nicht nur für Geschäfte zwischen Banken von großer Bedeutung. Indirekt hätten Manipulationen auch Einfluss auf Kredite und Spareinlagen, weil deren Zinssätze teils vom Libor und Euribor abhängig oder direkt daran gekoppelt sind.
Britische Notenbank beteiligt?
Schon seit dem vergangenen Jahr wird weltweit wegen vermuteter illegaler Absprachen zwischen den Banken über Libor und Euribor ermittelt. Auch die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) hat angekündigt, mögliche Manipulationen beim Euribor zu untersuchen. Daten zur Berechnung des Euribor durch Thomson Reuters liefern insgesamt 43 Banken, darunter auch Erste Bank und Raiffeisen Bank International (RBI) sowie die Bank-Austria-Mutter UniCredit. Mit dem Zustandekommen des Libor haben österreichische Banken nichts zu tun.
Der für die Finanzmarktstabilität zuständige Vize-Chef der britischen Notenbank, Paul Tucker, wies am Montag vor dem Finanzausschuss des britischen Parlaments den Vorwurf der Einflussnahme in der Affäre zurück. Vergangene Woche hatte Barclays schriftliche Aufzeichnungen aus einem Telefongespräch zwischen Ex-Chef Diamond und Tucker veröffentlicht.
Den Aufzeichnungen Diamonds zufolge schlug Tucker auf dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise 2008 vor, die Mitteilungen von Barclays an den britischen Bankenverband zur Berechnung des Libor-Satzes könnten niedriger sein als die Zinsen , welche die Bank tatsächlich im Geschäft mit anderen Instituten habe zahlen müssen. Mit niedrigeren Interbanken-Zinsen hätte Barclays nach außen den Eindruck erwecken können, stabiler dazustehen, als die Bank zu damaligen Zeitpunkt womöglich tatsächlich war. Hohe Zinsen bei Kreditgeschäften sind stets ein Zeichen für ein hohes Risiko beim Schuldner.
Kommentare
Teeren und Federn Es wird der Tag kommen wo Banker im schmucken Federkleid herumlaufen werden wenn der Volkszorn über die Dreistigkeit dieser Banditen nicht mehr hinweg sehen wird können.